Blockupy: Europäischer Widerstand in der demokratiefreien Zone. Blockupy und Occupy in Frankfurt am Main

Blockupy: Europäischer Widerstand in der demokratiefreien Zone
Martin Müller (Illustrator)
Jule Axmann (Vorwort)
Werner Rätz (Vorwort)
Broschiert: 180 Seiten
Verlag: Attac Trägerverein

Vom 16. bis 19. Mai 2012 befand sich Frankfurt im Ausnahmezustand

Blockupy

Blockupy

Für diese vier Tage hatte das Blockupy-Bündnis zu Protesten gegen das Krisenregime der Europäischen Union aufgerufen. Die Proteste sollten mitten ins Frankfurter Bankenviertel getragen werden. Demonstrieren, okkupieren, blockieren – der öffentliche Raum sollte an diesen Tagen denen gehören, die ein solidarisches Zeichen setzen und sich zu Alternativen zur autoritären Verarmungspolitik der Troika austauschen wollten. Doch aus einem großen Teil der Pläne wurde nichts; die Stadt Frankfurt und das Land Hessen zeichneten ein Bedrohungsszenario, das nahezu jede Maßnahme im Vorfeld rechtfertigen sollte. So war AktivistInnen wie AnwohnerInnen gleichermaßen konfrontiert mit einer polizeistaatlich anmutenden Situation, Grundrechte standen dieser Tage nicht hoch im Kurs in Frankfurt.

In diesem reich bebilderten Band finden sich neben einer Chronologie der vier Blockupy-Tage Beiträge aus Organisationen, die sich in diesem Bündnis zusammenfanden. Aus ihren – zum Teil sehr unterschiedlichen – Blickwinkeln nähern sie sich einer Einschätzung der Rolle, die Blockupy in der europäischen Bewegung zukam und weiterhin zukommt. Trotz aller nüchternen inhaltlichen Auseinandersetzung ist der Band emotional geraten; die Schrecken der allgegenwärtigen Polizeipräsenz, die Atmosphäre der Willkür, das Moment der Hilflosigkeit, aber auch kleine und große Siege, überraschend fröhliche Augenblicke und die Stärke der großartigen Abschlussdemonstration – alle Höhen und Tiefen dieser Tage sind in diesem Buch zu finden.

Am  1. Juni 2013 war Gewalt bei Blockupy angesagt: Polizei in Frankfurt kesselte Vermumte ein

Demo-Plakat

Demo-Plakat

Es hätte ein Fest für ein solidarisches und demokratisches Europa werden können. Am Samstag strömten ab 11 Uhr Tausende auf den Baseler Platz, wo sie zur Auftaktkundgebung von zahlreichen Lautsprecherwagen mit Redebeiträgen und Kulturprogramm empfangen wurden. In dem eindrucksvollen Demonstrationszug, der sich gegen 12 Uhr Richtung Europäische Zentralbank in Bewegung setzte, waren viele Transparente, Fahnen, Großpuppen und Stelzenläufer zu sehen. Einige Teilnehmer_innen hielten Schilder mit Gefahrensymbolen und Slogans wie „Troika – Achtung, Lebensgefahr!“ oder „Krisenpolitik – echt ätzend!“ in die Höhe. Andere malten mit Kreide die Umrisse von „Krisenopfern“ auf die Straße.

Doch die Polizeiführung hatte andere Pläne. Statt den Straßenverkehr auf der vorgesehenen Demonstrationsroute regulieren zu lassen, zog sie zahlreiche Polizeieinheiten in Kampfmontur sowie Wasserwerfer und Räumpanzer zusammen, um die Demonstration nach wenigen hundert Metern zu stoppen und die Spitze des Zugs gewaltsam von den nachfolgenden Teilnehmer/innen zu trennen und einzukesseln. Dabei setzte sie mehrfach Pfefferspray und Schlagstöcke ein und verletzte dabei Demonstrant/innen teilweise erheblich. Der Ermittlungsausschuss des Blockupy-Bündnisses meldet 200 Verletzte – bei unbekannter Dunkelziffer. Die Frankfurter Rundschau berichtet von mindestens zwei Schwerverletzten.

Die politische Verantwortung für die Verhinderung der vom Verwaltungsgerichtshof genehmigten Demonstration liegt bei der Polizeiführung. Die Polizeileitung lehnte jede Deeskalation ab und bestand darauf, alle Eingekesselten Leibesvisitationen und Gepäckkontrollen zu unterziehen. Das Blockupy-Bündnis geht von mindestens 20.000 Teilnehmer/innen aus. Die Angabe beruht auf visuellen Eindrücken. Wegen des gewaltsamen Polizeieinsatzes musste die Zählung abgebrochen werden. Quelleattac.de

Pressestimmen

Die Polizei-Prügelei gegen Blockupy-Demonstranten in Frankfurt wurde selbst zur Demonstration. Der Protest stört eine Politik, welche die fatalen Folgen der Euro-„Rettung“ verschweigt. Die Ordnung der Anderen: Frankfurter Rundschau.

Ist die Polizei zu hart gegen die Blockupy-Großdemonstration in Frankfurt vorgegangen? Politiker von Grünen und Linken wollen nun Erklärungen. Die Jusos fordern gar den Rücktritt von Hessens Innenminister Boris Rhein. Streit um Polizeieinsatz gegen Blockupy-Demo: Spiegel Online

Einen Kilometer weit sind sie gekommen, dann schloss sich der Kessel. Es bleibt der Eindruck, dass die Polizei nicht ganz zufällig über das Ziel hinausgeschossen ist. Rabiater Polizeieinsatz in Frankfurt/Main: taz.de

Am Wochenende kam es in Frankfurt am Main zu Ausschreitungen zwischen Polizisten und Demonstranten der antikapitalistischen Blockupy-Bewegung. Am Samstag wurden Hunderte von der Polizei eingekesselt. Am Sonntag musste die Frankfurter Polizei ihr Vorgehen verteidigen. Blockupy-Demonstration in Frankfurt: Polizei verteidigt ihr Vorgehen: Tagesspiegel

Der "Abmarsch der Polizei" am 2. Juni 2013

Der „Abmarsch der Polizei“ am 2. Juni 2013

Inside Occupy

Aus dem Englischen von Bernhard Schmid
2012, Klappenbroschur
200 Seiten, mit Fotos und 24-seitigem Booklet
Campus Verlag

Sie ist noch jung und hat bereits Geschichte geschrieben: Die weltweite OccupyBewegung gegen soziale Ungleichheiten und für eine Gesellschaft ohne Schulden.

Inside Occupy

Inside Occupy

David Graeber, intellektueller Vordenker von Occupy, bietet in seinem Buch einzigartige Einblicke in das Innenleben der größten und wichtigsten Protestbewegung der letzten Jahre.

Mit dem Aufruf: „Occupy Wall Street“ besetzt im September 2011 eine Gruppe von Aktivisten den Zuccotti-Park im New Yorker Finanzdistrikt, um friedlich gegen Finanzmärkte und Banken sowie die Untätigkeit der Politik zu demonstrieren. Binnen kürzester Zeit mobilisiert die Bewegung hunderttausende Menschen rund um den Globus, kreuz und quer durch alle Bevölkerungsschichten. Sie alle eint die Empörung über ein System das jene, die sich an die gesellschaftlichen Spielregeln halten, im Stich lässt und Vermögen ungerecht verteilt, zugunsten einer kleinen Elite. Als Anthropologe und Vordenker hat David Graeber der Occupy-Bewegung intellektuellen Tiefgang verliehen. In seinem Buch berichtet er lebendig, wie sich die Bewegung formierte und welche Ziele sie verfolgt. Er erzählt die Entstehungsgeschichte des „We are the 99 percent“-Slogans und formuliert Thesen, warum es ausgerechnet diese Bewegung geschafft hat, bis in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen. Graeber legt die Prinzipien des Occupy-Protests dar und zeigt konkret, was jeder Einzelne politisch verändern kann. Die Occupy-Bewegung markiert womöglich erst einen Anfang. Das Buch macht die Tragweite der Ereignisse verständlich und ist eine aktuelle und packende Manifestation der Bewegung.

Diese deutschsprachige ist die erste Ausgabe des Buches, die weltweit erscheint. Als Ergänzung liegt dem Werk ein „Revolutionsguide“ in Form eines 24seitigen Bookets bei. Es enthält die wichtigsten Schlüsselbegriffe, Ziele und Vorgehensweisen, sowie eine Weltkarte der Proteste und Interviews mit Aktivisten.

David Graeber, Jahrgang 1961, ist amerikanischer Anarchist und Kulturanthropologe sowie Mitglied der Gewerkschaft Industrial Workers of the World. Er gehört zu den Initiatoren der Occupy-Bewegung. Bis Juni 2007 war er Professor für Kulturanthropologie an der Yale University. Seither lehrt er am Goldsmiths College der University of London. Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter: Frei von Herrschaft sowie Schulden und Die ersten 5000 Jahre.

Pressestimmen

14.05.2012 / Der Spiegel: Mit dem Kopf gegen die Wand „Mit ‚Inside Occupy‘ veröffentlicht David Graeber seine Innensicht aus einer bisher kaum greifbaren Protestbewegung.“

14.05.2012 / Die Welt: Der böse Geist des Geldes „Graeber ist einer der führenden Köpfe von ‚Occupy‘ und erklärt die Grundideen der Bewegung.“

16.05.2012 / Die Zeit: Am Wendepunkt „David Graeber ist der intellektuelle Superstar der Occupy-Bewegung.“

21.05.2012 / Süddeutsche Zeitung: „Wir sind die 99 Prozent“ „Im Vergleich zu ‚Schulden‘ ist ‚Inside Occupy‘ ein kleines Buch – klein, aber oho! … Es ist wichtig und die Lektüre amüsant.“

21.05.2012 / Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wieso stellt sich das Bankenviertel tot? „David Graeber ist nicht nur radikal, er ist auch amüsant, eine gefährliche Mischung.“

23.05.2012 / Frankfurter Rundschau: Wie besetzt man eine Bank? „Unschätzbar gute Ratschläge für alle, die wissen wollen, wie man Versammlungen mit unzähligen Diskutanten fair und effizient organisiert und wie man Farbbeutel über Polizeiketten hinweg auf die Markisen von Nobelkaufhäusern wirft, ohne wen zu verletzen … David Graeber ist der neue Popstar der Kapitalismuskritik.“

Buchperlen-Artikel: Erdogan – ein Meister der Täuschung: Was Europa von der Türkei wirklich zu erwarten hat. Solidarität mit den Demonstranten in der Türkei am 2. Juni 2013 auf der Frankfurter Hauptwache

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