Der Fall Peggy: Die Geschichte eines Skandals von Ina Jung und Christoph Lemmer. Ein Fall, der das ganze Land bewegt …

Der Fall Peggy: Die Geschichte eines Skandals von Ina Jung und Christoph Lemmer
Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
Droemer Verlag
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Der Fall Peggy

Der Fall Peggy

Ein Fall, der das ganze Land bewegt

2001 verschwand die 9-jährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Der geistig zurückgebliebene Ulvi Kulac wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Es gab keine Zeugen, keine DNA, keine Blutspuren, keine konkreten Beweise und vor allem – keine Leiche. Ina Jung und Christoph Lemmer, die über viele Jahre den Fall investigativ recherchiert haben, weisen nun nach, dass die Polizei gezielt auf die Verurteilung von Ulvi Kulac hingearbeitet hat – nicht, weil er der Täter war, sondern damit der Fall endlich zu den Akten gelegt werden kann.

Kein Justizirrtum, sondern – schlimmer – ein systematisches Fehlurteil auf Betreiben von Politik und Justiz.

Doch es gibt Hoffnung: 2013 wird das Verfahren wieder aufgenommen, auch dank der Recherchen des Autorenduos. Ina Jung und Christoph Lemmer erzählen in diesem Buch den Fall Peggy neu und mit bisher unbekannten Fakten – und decken eine beklemmende Wahrheit auf.

„Ina Jung kennt den Fall Peggy wie kein anderer – seit 2006, also seit sieben Jahren recherchiert sie daran. Nun hat sie zusammen mit einem Co-Autor, dem Journalisten Christoph Lemmer, ein Buch geschrieben. Es ist die Geschichte eines Skandals, wie sie sagt. Und sie hofft, dass diese Geschichte die Menschen aufrüttelt – und ihnen zeigt, wie schnell man in U-Haft kommen kann.“ TÖLZER KURIER, 23.04.2013

wiki: Im Mordfall Peggy Knobloch verschwand die neunjährige Peggy Knobloch aus Lichtenberg, Oberfranken, am 7. Mai 2001 spurlos. Wegen Mordes wurde Ulvi Kulaç verhaftet und verurteilt. Das Aufsehen erregende und bis heute umstrittene Verfahren endete am 30. April 2004 mit einem Schuldspruch, das Strafmaß war lebenslange Haft. Außergewöhnlich war, dass es für den Mord weder eine Leiche noch sonstige Spuren als Beweis gab und die Verurteilung lediglich aufgrund eines widerrufenen Geständnisses des geistig Behinderten erfolgte. Aktuell ist die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt.

Tathergang und Ermittlungen

Am 7. Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy Knobloch aus Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule. Sie wurde von Zeugen am Abend gegen 19 Uhr zuletzt gesehen. Die Fahndungen führten sogar bis nach Tschechien und in die Türkei, das Heimatland ihres Stiefvaters. Die Ermittlungen brachten keinen Erfolg. Es wurde eine Belohnung von 55.000 DM ausgesetzt. Bei der Suche nach der Drittklässlerin mussten von der Sonderkommission Peggy 4500 Spuren abgearbeitet werden. Trotz intensiver Suche blieb sie unauffindbar. Kulaç wurde zunächst nach Hinweisen von Peggys Mutter vernommen, wies jedoch ein Alibi vor, das ihm seine Mutter verschafft hatte.

Im Februar 2002 wurde eine siebenköpfige Ermittlungsgruppe verstärkt und untersuchte alle Spuren erneut. Im März 2002 wurde die Kleidung von Ulvi Kulaç ohne Befund untersucht. Im Oktober 2002 wurde er in der Klinik festgenommen und erneut verhört. Gegen ihn bestand seit dem 22. Oktober 2002 dringender Tatverdacht. Bei der Vernehmung gestand Kulaç, das Mädchen am 3. Mai 2001 in seiner Wohnung missbraucht zu haben. Am 7. Mai habe er es auf dem Heimweg erwartet und sich entschuldigen wollen. Peggy sei jedoch weggelaufen und habe gedroht, ihn zu verraten. Auf dem Lichtenberger Schlossplatz habe er sie eingeholt. Nachdem er sie niedergestoßen habe, sei sie schreiend am Fuß einer Treppe liegen geblieben. Er habe ihr Mund und Nase zugehalten, bis sie erstickt sei.

In abgehörten Telefonaten zwischen Vater und Sohn Kulaç belastete Kulaç seinen Vater mit der Aussage, er habe ihm geholfen, die Leiche zu beseitigen. Der Vater wurde vorübergehend festgenommen.

Später widerrief Kulaç das Mordgeständnis, die Geständnisse wegen der übrigen Missbrauchsfälle hielt er aufrecht. Anwalt und Eltern sind überzeugt, dass das Geständnis durch die Erschöpfung bei den stundenlangen Vernehmungen sowie durch Suggestivfragen und falsche Versprechungen seitens der Polizei zu erklären ist. Das Geständnis erfolgte in Abwesenheit eines Verteidigers. Außerdem gibt es von dem Geständnis keine Tonaufzeichnung, es beruht auf dem Gedächtnisprotokoll des Ermittlers. In der Urteilsbegründung wird allerdings davon ausgegangen, dass Kulaç nicht in der Lage gewesen wäre, eine solche Geschichte zu konstruieren, so dass man annehmen könne, dass er Erlebtes geschildert habe.

Sterbliche Überreste von Peggy Knobloch wurden bislang nicht gefunden.

Verfahren gegen Ulvi Kulaç

Ulvi Kulaç (* 13. Dezember 1977 in Naila) wurde als Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Mit drei Jahren hatte er durch eine Hirnhautentzündung schwere geistige Schäden erlitten. Sein Entwicklungsstand wird mit dem eines 8- bis 10-jährigen Jungen gleichgesetzt. Die Eltern führen eine Gaststätte in der oberfränkischen 1100-Einwohner-Gemeinde Lichtenberg. Dort arbeitete Kulaç gelegentlich als Hilfskellner.

Im Sommer 2000 missbrauchte er einen sieben Jahre alten Jungen sexuell. Die Mutter Elsa Kulaç erfuhr davon und zeigte ihn an. Es stellte sich heraus, dass er sich in mindestens 20 Fällen seit 1996 an Jungen vergangen hatte. Er hatte, wie er eingestand, Kindern Kekse angeboten, wenn sie sich auf Doktorspiele einließen. Im September 2001 wurde er in Bayreuth in eine Psychiatrie eingewiesen.

Am 30. September 2003 wurde vor dem Landgericht Hof unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Prozess eröffnet. Wegen eines Fehlers in der Schöffenbesetzung wurde der Prozess abgebrochen und am 7. Oktober wieder aufgenommen. Am 30. April 2004 wurde Ulvi Kulaç zu lebenslanger Haft verurteilt. Hauptindiz war das Geständnis des Angeklagten, welches das Gericht für rechtmäßig zustande gekommen und glaubwürdig hielt. Ein Gutachten des Psychiaters Hans-Ludwig Kröber, war zu dem Ergebnis gekommen, dass Kulacs Schilderungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf realen Erlebnissen beruhten. Gerade wegen seiner verminderten Intelligenz (bei Kulac war ein IQ von 68 ermittelt worden) sei er nicht in der Lage, sich einen so schlüssigen und detailreichen Tathergang auszudenken und sich länger zu merken. Es sei auch kein Motiv für eine falsche Selbstbelastung erkennbar, außerdem gebe es keine Hinweise darauf, dass Kulac der Inhalt des Geständnisses suggeriert worden sei. Der Angeklagte wurde in Hinblick auf das Tötungsdelikt für schuldfähig erklärt. Straffrei blieb dagegen der sexuelle Missbrauch von Kindern, nachdem Kulaç in diesem Zusammenhang Schuldunfähigkeit attestiert wurde.

Die Verteidigung ging in Revision mit der Begründung, ein so perfektes Verbrechen könne von ihrem Mandanten nicht begangen worden sein. Außerdem habe es Zeugen gegeben, die Peggy angeblich noch um 19:00 Uhr gesehen hätten, während laut Staatsanwaltschaft die Tat gegen 13:30 Uhr begangen worden sei. Am 25. Januar 2005 verwarf der Bundesgerichtshof die Revision, das Urteil ist damit rechtskräftig. Ulvi Kulaç sitzt seine Strafe im Bezirkskrankenhaus Bayreuth ab. Ulvis Eltern, Peggy Knoblochs leiblicher Vater sowie Großeltern und Teile der Bevölkerung von Lichtenberg glauben an die Unschuld von Ulvi Kulaç und haben eine Bürgerinitiative gegründet.

Neue Ermittlungen und Wiederaufnahmeverfahren

Da dem als geistig behindert geltenden Ulvi Kulaç zur Zeit des Prozesses kein Betreuer gewährt worden war, wurde eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. Eine Betreuerin für Ulvi Kulaç wurde gerichtlich berufen. Nach Nachforschungen seiner Betreuerin blieb Kulaç ein Zeitfenster von nur 20 Minuten, zu wenig, um die Tat zu begehen und die Wegstrecke zurückzulegen. Entscheidend ist die Dauer einer Busfahrt, die eine Zeugin, die Peggy vom Bus aus gesehen hatte, zurücklegte.

Im Juli 2012 hat der Hauptbelastungszeuge, ein Mitinsasse im Bezirkskrankenhaus, der mit der Polizei zusammengearbeitet hatte, seine Aussage gegen Kulaç eidesstattlich widerrufen. Er begründete seine Zusammenarbeit mit der Ermittlungsbehörde mit versprochenen Hafterleichterungen. Die Staatsanwaltschaft kündigte daraufhin an, den Fall zu überprüfen.

Kulaçs Anwalt Michael Euler stellte im April 2013 einen Antrag auf die Wiederaufnahme des Verfahrens. 2007 war das Haus des in der Nähe wohnenden vorbestraften Sexualstraftäters Robert E. untersucht worden. Dabei wurde ein Kinder-Unterhemd gefunden, DNA-Spuren von Peggy ließen sich darauf aber nicht nachweisen. Für die Tatzeit hatte der Mann ein Alibi vorweisen können. Neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten dazu, dass ab 22. April 2013 eine weitere Hausdurchsuchung und Grabungen auf dem Gelände vorgenommen wurden, da es sich um einen „Leichenablageort“ handeln könnte. Robert E. wurde erneut befragt. Bei den Grabungen wurden – wie bereits bei früheren Straßenbauarbeiten in diesem Areal – Knochenteile gefunden. Im Mai 2013 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Knochen nicht von Peggy stammen.

Rezeption

An den Fall angelehnt ist der Roman Totsein verjährt nicht von Friedrich Ani und der Fernsehkrimi Das unsichtbare Mädchen von Dominik Graf, welcher im März 2012 erstmals auf Arte gezeigt wurde.

Website über Ulvi Kulaç

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