Der Niedergang des Westens: Wie Institutionen verfallen und Ökonomien sterben von Niall Ferguson

Der Niedergang des Westens: Wie Institutionen verfallen und Ökonomien sterben von Niall Ferguson
Propyläen Verlag
Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Propyläen Verlag
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Der Niedergang des Westens

Der Niedergang des Westens

Der Niedergang des Westens wird seit langem vorausgesagt

Doch heute sind die Symptome dieses Niedergangs nicht mehr zu übersehen: nachlassendes Wachstum, explodierende Staatsschulden, zunehmende Ungleichheit, alternde Bevölkerungen, auseinanderbrechende Sozialgefüge. Aber was genau läuft falsch? Die Antwort sieht Niall Ferguson im Verfall jener vier Säulen, auf denen einst die Weltherrschaft des Westens ruhte: repräsentative Demokratie, freie Marktwirtschaft, Rechtsstaat, Zivilgesellschaft. In seinem klugen, hochaktuellen Buch beschreibt er diesen Verfall und beschwört die westlichen Gesellschaften, sich auf die Kraft dieser vier Säulen zu besinnen.

Denn während der Westen verfällt, betreiben einst diktatorische Regime Asiens und der Dritten Welt unter dem Druck der Globalisierung den Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen, öffnen ihre Märkte und bewegen sich auf eine Zivilgesellschaft nach westlichem Muster zu. Will der Westen in der neuen globalen Machtverteilung weiterhin erfolgreich mitspielen, muss er, so Ferguson, dem Niedergang der Institutionen, die ihn mächtig, reich und frei gemacht haben, entgegenwirken und sie wieder zu effizienten Trägern westlicher Macht ausbauen.

Niall Ferguson, geboren 1964 in Glasgow. Professor für Neuere Geschichte an der Harvard University mit dem Schwerpunkt Finanz- und Wirtschaftsgeschichte sowie Senior Research Fellow der Oxford University. Gilt als einer der profiliertesten Historiker der angelsächsischen Welt. Zuletzt erschienen bei Propyläen »Krieg der Welt« (2006) und bei Econ »Der Aufstieg des Geldes« (2009).

»Der derzeit einflussreichste Historiker der westlichen Hemisphäre.« DIE ZEIT

Niall Fergusons neues Buch liest sich wie eine Antwort auf „Why Nations fail“ von D. Acemoglu und J. Robinson. Letztere führen den Erfolg wirtschaftlich hochentwickelter Nationen in der Hauptsache auf die Etablierung ökonomisch relevanter, inklusiver Institutionen zurück. Ferguson gibt recht, gießt aber Wasser in den Wein vom haushoch überlegenen Westen, von dem berauscht die Autoren ihre abschätzigen Prognosen in Bezug auf Länder wie Russland und China abgeben. Denn Ferguson sieht gerade das auf dem Spiel stehen, was den Westen groß gemacht hat und diagnostiziert eine schleichende Erosion eben der entscheidenden institutionellen Stützpfeiler. FMA

Der Autor schaut sich sehr ausführlich die Finanzkrise an. Benennt Schuldige und zeigt, wie wenig oder gar nicht sie für Fehlverhalten rechtlich zur Verantwortung gezogen wurden oder werden. Da kann doch was im System nicht stimmen, meint er und hat meine volle Zustimmung. Aber seine in die Zukunft reichenden Pläne überzeugen mich nicht so recht. Da bezieht er sich sehr auf das britisch – spezifische und somit auf das antieuropäische Moment. Vieles von dem, was er schreibt, mag richtig sein, betrifft aber nicht meinen deutschen Blickwinkel. Christian Döring

wiki: Niall Ferguson (* 18. April 1964 in Glasgow) ist ein britischer Historiker und Laurence-A.-Tisch-Professor of History an der Harvard University. Er unterrichtete unter anderem auch am Jesus College der Universität Oxford und an der Universität Stanford. Im akademischen Jahr 2010/ 2011 unterrichtete er außerdem an der London School of Economics and Political Science als Philippe Roman Professor of International History. Er gilt als ein Spezialist für Finanz- und Wirtschafts- und europäische Geschichte sowie für die Familiengeschichte der Rothschilds.

1998 sorgte er mit seinem Buch The Pity of war (dt. 2001: Der falsche Krieg) für Furore, in dem er die Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs untersuchte. Dabei kam er zu dem Schluss, dass nicht, wie auch von vielen deutschen Historikern (etwa Wolfgang J. Mommsen) vermutet, Deutschland, sondern das Britische Empire für die Eskalation im Sommer 1914 hauptverantwortlich sei.

Nach Ferguson forcierte der britische Außenminister Edward Grey die Spannungen. Hätte sich England aus dem Krieg herausgehalten, so wäre das Ergebnis nach Ferguson ein deutscher Sieg gewesen, aber auch ein prosperierendes Nachkriegs-Europa, in dem es zu Demokratisierung gekommen wäre, also faktisch zu einer Art „Europäischen Gemeinschaft“ unter deutscher Hegemonie, während England weiterhin ein intaktes Empire geblieben wäre. Nach Ferguson, der sich dabei der Methodik der Virtuellen Geschichte bedient (Ferguson gilt als einer ihrer Hauptbefürworter), hätte auch der Nationalsozialismus keinen Nährboden gehabt, da er laut Ferguson nur eine direkte Folge des „Großen Krieges“ gewesen sei. Stattdessen sei durch den Kriegseintritt Großbritanniens der Krieg eskaliert – und doch sei das Ergebnis heute so, dass Deutschland die wirtschaftliche Vormacht in Europa ist.

Ebenso bestreitet er, dass es einen deutschen Sonderweg gegeben habe. Ferguson vertritt in dem Buch, insbesondere in einem Unterkapitel „Im Felde unbesiegt?“, die These, dass bis zuletzt Deutschland den Krieg nicht hätte verlieren müssen. Es sei nicht die taktische Überlegenheit der Alliierten gewesen, die den Krieg beendet hätte, sondern die Krise der deutschen Moral (Dolchstoßlegende), was nur teilweise der exogenen Kraft der alliierten Infanterie und Artillerie zugeschrieben werden könne. Vielmehr wäre den Soldaten schon im September 1918 nicht verborgen geblieben, dass der Chef der Obersten Heeresleitung Erich Ludendorff auf einen Waffenstillstand drängte – nach Ferguson eine „Überreaktion“ eines „müden und kranken“ Ludendorff auf das Scheitern seiner Offensiven. Der „Nervenzusammenbruch“ ihres Oberkommandierenden führte zum Zusammenbruch der Kampfmoral. Viele Thesen Fergusons sind allerdings umstritten.

Niall Ferguson unterstützte in der Vergangenheit oft die Außenpolitik des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush, wie etwa die Irakinvasion 2003; dazu vgl. auch Fergusons Colossus. The Rise and Fall of the American Empire (dt. 2004: Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht), wo Ferguson für die Notwendigkeit eines globalen „Hegemons“ eintritt. Er trat ebenso für eine stärkere Kürzung der sozialen Mittel in den USA ein, da es ansonsten seiner Meinung nach zu ernsten finanzpolitischen Problemen kommen würde. Nachdem die Regierung Bush dies nicht in dem von Ferguson als notwendig erachteten Maße umsetzte, sprach er sich im Jahr 2004 gegen die Wiederwahl Bushs aus.

2008 veröffentlichte er das Buch The Ascent of Money: A Financial History of the World (dt: „Der Aufstieg des Geldes: eine Finanzgeschichte der Welt“), das noch im selben Jahr mit ihm für den britischen Channel 4 als sechsteilige Fernsehreihe mit zu Boom and Bust abgewandelten Untertitel produziert wurde. Ferguson hob unter anderem hervor, dass das Wirtschaftswachstum Chiles nach der Intervention der „Chicago-Boys“ um Milton Friedman tatsächlich höhere Wachstumsraten aufwies, von durchschnittlich 0,17% jährlich auf 3,28% jährlich nach Friedman’s Tätigkeit. Unverständnis erntete er von Teilen des Publikums dafür, dass er bei seiner Abhandlung des Sozialstaates zwar Großbritannien und Japan, aber nicht die skandinavischen Länder wie Schweden erwähnte. Da Buch und Fernsehserie vor dem globalen Finanzcrash 2008 desselben Jahres veröffentlicht wurden, bot unter anderem seine Huldigung von Hedgefonds ein besonders leichtes Angriffsfeld für Kritiker. Lobende Kritiken erhielt Ferguson unter anderem von Raghuram Rajan, dem ehemaligen Chefvolkswirt des IWF, der Ferguson bescheinigte, auf die Gefahren der Kreditexpansion vor Ausbruch der Finanzkrise hingewiesen zu haben.

In seiner Kolumne in der Financial Times liefert sich der Historiker seit dem 30. April 2009 eine öffentliche Fehde mit Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman. Ausgangspunkt war eine Kontroverse über die Wege aus der US-Haushaltskrise. Ferguson, der nun in den USA lebt, hat mehrmals für die Republikaner und gegen Präsident Obama Partei ergriffen. Mehrere seiner Äußerungen wurden aber als nicht haltbar kritisiert.

In Hinblick auf das bekannte John Maynard Keynes-Zitat „In the long run we are all dead“ meinte Ferguson, dass sich Keynes nicht für die Zukunft interessiert hätte, da er homosexuell gewesen sei und keine Kinder gehabt hätte. Im Blog seiner Website entschuldigte sich Ferguson für diese Äußerung.

Website von Niall Ferguson

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