Grüne fordern Aussetzung des Pflege-TÜV. Nach Ansicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist der so genannte Pflege-TÜV gescheitert. Jetzt echte Transparenz schaffen: Pflegenoten aussetzen und Ergebnisqualität voranbringen …

Nach Ansicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist der so genannte Pflege-TÜV gescheitert. Sie fordert deshalb in einem Antrag (17/13760), die Pflegenoten auszusetzen und neue Kriterien der Qualitätsprüfung für die Pflege einzuführen. Eine „bloße Überarbeitung oder Neubewertung“ der bisherigen Kriterien werde „nichts an der derzeit fehlgeleiteten Qualitätsmessung ändern.

Die Abgeordneten schreiben, die Regelung zur Pflege-Transparenzvereinbarung (PTV) im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz verfolge die Absicht, Qualitätsentwicklung und -Sicherung in der Pflege im ambulanten und stationären Bereich für die Verbraucher transparent zu machen. Die damit verbundenen Qualitätsprüfungen würden mindestens einmal jährlich durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder dem Prüfdienst der privaten Krankenversicherung bei allen stationären und ambulanten Diensten durchgeführt.

Es sei das Ziel gewesen, durch „die verständliche, übersichtliche sowie vergleichbare Veröffentlichung der Ergebnisse“ der Prüfung die Transparenz für die Verbraucher zu erhöhen. In Anlehnung an das Schulnotensystem werde die Qualität verschiedener Versorgungsbereiche erhoben, bewertet und veröffentlicht. Mit dem so genannten Pflege-TÜV sollte eine Entscheidungshilfe für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen geschaffen werden, die ihn die Wahl für ein Angebot erleichtern sollte.

Tatsächlich aber reiße die Kritik an den Pflegenoten nicht ab – und sei überdies begründet

Immer wieder werde bemängelt. dass die Noten die tatsächliche Qualität der geprüften Einrichtungen oder Dienste „nicht abbilden“; zudem seien die Entstehung der Prüfkriterien, deren Gewichtung, Validität und Zuverlässigkeit strittig. Auch von wissenschaftlicher Seite seien die Transparenzkriterien und die Bewertungssystematik „sehr umstritten“.

Damit, so heißt es in dem Antrag, habe das derzeitige System zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität „nichts zum Verbraucherschutz und zur Transparenz beigetragen“. Daran würden auch kurzfristige Nachbesserungen nichts ändern. Nach Ansicht der Parlamentarier führt an einer Reform „kein Weg vorbei“. Die Bundesregierung soll daher die bestehenden Maßstäbe und Grundsätze zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität reformieren und ein Qualitätssicherungssystem entwickeln, das sich am aktuellen Stand der Wissenschaft ausrichte. In diesen Prozess seien die maßgeblichen Organisationen und Selbsthilfeverbände für die Wahrnehmung der Interessen pflegebedürftiger und behinderter Menschen „gleichberechtigt mit einzubeziehen“.

Gleichzeitig wollen die Grünen die Errichtung eines „unabhängigen und multidisziplinär besetzten Instituts für Qualität in der Pflege“, das künftig Vorschläge für Qualitätsanforderungen erarbeiten soll. Außerdem fordern sie, die Aufgaben des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen im Zuge der Reform der Qualitätssicherung anzupassen.

Im Antrag heißt es, das im Auftrag des Gesundheitsministeriums und des Familienministeriums zwischen 2008 und 2010 durchgeführte Projekt „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ schlage ein Indikatorensystem vor, das Aussagen über die Ergebnisqualität in vollstationären Pflegeeinrichtungen ermögliche. Davon würden sich auch die Pflegekassen eine Umstrukturierung von Prüfinhalten und einen Zuwachs von bewertbaren Informationen für das Prüfverfahren erhoffen. Doch seit dem Abschluss des Projekts gebe es keine Weiterentwicklung, die gewonnenen Ergebnisse hätten „keinen Eingang“ in die bisherige Qualitätssicherung gefunden. Quelle: Berlin (hib/SUK), Heute im Bundestag Nr. 324

Zitat: Auch von wissenschaftlicher Seite sind die Transparenzkriterien und die Bewertungssystematik sehr umstritten. Die Validität, Reliabilität und Objektivität sind nicht nachgewiesen, somit ist das gesamte Verfahren höchst fraglich. Ein Gutachten zur „Umsetzung der Pflege-Transparenzvereinbarung stationär durch den MDK Rheinland-Pfalz“ (Stand: 21. Januar 2013) erbrachte, dass die Qualität der Pflege mit den bislang eingesetzten Instrumenten nicht abgebildet werden kann. Einrichtungen ergreifen Maßnahmen, die weniger auf die Verbesserung der pflegerischen Tätigkeit abzielen, sondern vielmehr auf die Dokumentation sowie die Förderung der Souveränität im Umgang mit den Prüfern des MDK und kommen dadurch zu einer guten Bewertung (vgl. Gutachten, S. 44). Auch die Notenentwicklung spiegelt die Fehlentwicklung wider. Bei Einführung des Pflege-TÜVs war die schlechteste Durchschnittsnote eines Bundeslandes 2,3. Derzeit ist kein Bundesland schlechter als 1,5. (Kleine Anfrage Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen; Bt.-Drs. 17/10892)

Der Pflege-TÜV: Was stationäre Pflegeeinrichtungen über die MDK-Noten wissen müssen
Marcel Faißt
Broschiert: 132 Seiten
Verlag: Books on Demand

Mit der Einführung des Pflege-TÜV haben sich die Rahmenbedingungen für Einrichtungen der Altenhilfe nachhaltig geändert. Teile der MDK-Qualitätsprüfung werden veröffentlicht – was den ohnehin schon großen Druck auf Träger und Führungskräfte weiter erhöht.Die Veröffentlichung von Pflegenoten bietet den Einrichtungen allerdings auch neue Chancen in der Öffentlichkeitsarbeit sowie in den Bereichen der Qualitäts- und Organisationsentwicklung. Das Buch „Der Pflege-TÜV“ soll für Einrichtungs-, Pflegedienst- und Wohnbereichsleitungen aber auch für Qualitätsbeauftragte als umfassende Arbeitshilfe dienen und Antworten bieten zu Fragen wie:

Wie bereitet man sich auf die MDK-Prüfung vor? Was wird benotet? Wie wird das Notenergebnis berechnet? Wie läuft das Veröffentlichungsverfahren ab? Wie kann man nach der Prüfung noch Einfluss auf das Notenergebnis nehmen? Wie kann man die Pflegenoten zum Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit nutzen? Welche Konsequenzen haben schlechte Prüfergebnisse und was sollte die Einrichtung dann tun?

Abgerundet wird das Buch mit praxisorientierten Checklisten, unter anderem zur Durchführung eines Selbstaudits, den gültigen Expertenstandards und dem kostenfrei nutzbaren Internet-Portal
www.pflegemanagement-konkret.de.

Zurück zur aktuellen Top-50-Buchperlen – Auswahl

Advertisements