Tonspuren: Roman von Elliot Perlman. Ein mitreissendes Geschichtsepos über die Kraft der Erinnerung und die Macht des Erzählens

Tonspuren: Roman von Elliot Perlman
Originaltitel: The Streetsweeeper
Originalverlag: Random House Australia
Aus dem Englischen von Grete Osterwald
Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Deutsche Verlags-Anstalt
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Tonspuren

Tonspuren

Der Rezensionist vergibt 6 von 6 Sternchen für Tonspuren von Elliot Perlman. Ein mitreißendes Geschichtsepos über die Kraft der Erinnerung und die Macht des Erzählens.

Ein junger Afroamerikaner, der in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen versucht; ein Holocaust-Überlebender, der auf dem Sterbebett die Vergangenheit aufleben lässt; ein Geschichtsdozent, der um seine Karriere und die große Liebe kämpft.

Drei Schicksale, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, verknüpfen sich in diesem Roman meisterhaft zu einer epischen Erzählung über Erinnerung, Liebe, Schuld und unerwartetes Heldentum. Elliot Perlman führt uns vom Polen der Kriegs-Ära über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre bis in das New York der Gegenwart und demonstriert uns, wie wichtig es bleibt, sich zu erinnern und Zeugnis abzulegen – denn Geschichte hat die Eigenschaft, sich zu wiederholen.

Elliot Perlman wurde 1964 in Melbourne geboren. Er praktizierte einige Jahre als Anwalt, bis er nach dem Erfolg von „Drei Dollar“, seinem Debüt, nach New York zog, wo er sich ausschließlich dem Schreiben widmete. Sein zweiter Roman, „Sieben Seiten der Wahrheit“, der ihm international den Durchbruch bescherte, ist 2008 bei DVA erschienen und wurde von der Presse als „große Literatur“ (Deutschlandradio Kultur) gefeiert; „Tonspuren“ ist sein dritter Roman. Elliot Perlmans literarisches Werk ist vielfach preisgekrönt. Der Autor lebt heute wieder in Melbourne.

Zitate

„Natürlich ist es extrem risikoreich, das Vernichtungslager Auschwitz in Romanform zu verarbeiten, aber Perlman entgeht der Gefahr, den Holocaust auf peinliche Weise zu fiktionalisieren, indem er die authentische Geschichte Henryk Mandelbrots (der tatsächlich Mandelbaum hieß) zugrunde legt. Und weil er ein großartiger Erzähler ist, mitfühlend jenseits aller Sentimentalität.“ WDR5 – Bücher (04.05.2013)

»Er hat es wieder geschafft. Nach seinem furiosen Roman ›Sieben Seiten der Wahrheit‹ wuchtet Perlman erneut einen Wälzer in die Welt, der keine Sekunde langweilt, vielmehr von Seite zu Seite tiefer fasziniert, zwischendurch so bestürzt, dass einem der Atem stockt, am Ende aber das beglückende Gefühl erzeugt, trotz allen Schreckens etwas unglaublich Bewegendes erlebt, einen fantastisch guten, bedeutenden Roman gelesen zu haben.« DIE WELT (18.05.2013)

„Ein exzellenter Roman. Erschütternd, menschlich, brilliant.“ The Times (11.02.2012)

„Das Wort ‚episch‘ sollte man vorsichtig verwenden. Aber Tonspuren ist in der Tat ein Epos. Eine Meditation über Erinnerung und Gedenken, die dem Leser nahegeht, ein Roman über das Geschichtenerzählen als Akt des Heilens.“ The Guardian (24.02.2012)

„Der gewaltige Ideenreichtum, mit dem Perlman seine historischen Funde zu einem Roman verarbeitet, hat eine offenbarende Wirkung. In seinen stärksten Passagen demonstriert Tonspuren, wie Geschichte und Fiktion zusammenkommen können, um Geschichten zu erzählen, die danach schreien, erinnert zu werden.“ Telegraph (28.02.2012)

„Tonspuren ist ein komplexer und raffinierter Roman, dessen verschiedene Erzählstränge sich kunstvoll ineinanderfügen. Perlman brilliert in den Details, aus denen er sein Epos webt. Hier zeigt sich, wie gut er sich in die Lebensläufe und Stimmen der unterschiedlichsten Charaktere einfühlen kann. Jede dieser Geschichten ist menschlich, fesselnd und überzeugend.“ The Sunday Times (19.02.2012)

„Eine faszinierende Verwebung von Fakt und Fiktion. Der Roman mag ob seines großen Umfangs zwar einschüchternd wirken, ist aber ein sehr zugängliche – wenn auch erschütternde – Lektüre. Wir Menschen haben ein kurzes Gedächtnis, und unsere Kämpfe und Kriege ähneln sich alle auf verstörende Weise. Es ist wichtig, dass wir an die Grausamkeiten der Geschichte erinnert werden, damit sie sich nicht wiederholen.“ The Independent (26.02.2012)

wiki: Emmett Louis Till (* 25. Juli 1941 in Chicago, Illinois; † 28. August 1955 in Money, Mississippi) war ein afroamerikanischer Jugendlicher, der im Alter von 14 Jahren in den Südstaaten der Vereinigten Staaten von Roy Bryant und dessen Halbbruder J. W. Millam aus rassistischen Motiven brutal misshandelt und ermordet wurde.

Leben und Tod Tills

Emmett Louis Till wurde 1941 als einziges Kind von Louis Till (* 1922 – † 2. Juli 1945)  und seiner Ehefrau Mamie (Elizabeth), geb. Carthan (* 23. November 1921 – † 6. Januar 2003), in Chicago geboren. Mamie Till zog den Jungen allein groß, da sie von seinem Vater seit 1942 getrennt lebte. Louis Till wurde im Zweiten Weltkrieg in Italien von einem Kriegsgericht wegen Vergewaltigung und Mordes 1945 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Emmett stotterte leicht aufgrund der Folgen einer Polioerkrankung. Im Juli 1955 besuchte sein Onkel Moses Wright die Familie in Chicago. Moses war Prediger in Money, Mississippi. Er besaß ein Stück Land, auf dem er mit seiner Familie Baumwolle anbaute. Da Emmett noch Schulferien hatte, plante er einen Verwandtenbesuch. Seine Mutter lehnte die Idee ab, da die Rassentrennung in den Südstaaten der USA noch immer verbreitet war. Die Mutter befürchtete Repressionen durch Weiße gegen Emmett, da sich der in Chicago aufgewachsene Junge nicht mit den Besonderheiten und Gepflogenheiten der Südstaaten auskannte.

Emmett genoss seine Ferien auf dem Land. Er half auf dem Feld seines Onkels, ging mit seinen Cousins schwimmen und angeln. An einem Nachmittag fuhren die Jungen nach Money, um im Grocery Store and Meat Market, dessen Besitzer Roy (1931–1994) und dessen Frau Carolyn Bryant (* 1934) waren, Süßigkeiten und Limonade zu kaufen. Carolyn Bryant, Mutter zweier Kinder und ehemalige Schönheitskönigin an der High School, stand allein im Laden. Emmett Till und die Jungen bestellten und bezahlten ihre Einkäufe. Auf dem Weg nach draußen soll Emmett „Bye, Babe“ gesagt und einen bewundernden Pfiff in Richtung der Ladenbesitzerin ausgestoßen haben. Panik ergriff die schwarzen Jungen und sie fuhren schnell nach Hause. Auf der Fahrt dorthin flehte Emmett sie an, nichts dem Onkel zu sagen. Die Tage nach dem Pfiff vergingen und nichts passierte. Am Samstagabend fuhren die Freunde nach Greenwood, um ins Kino zu gehen.

In den frühen Morgenstunden des 28. August 1955 klopfte es an der Haustür des Predigers Moses Wright. Dieser öffnete und draußen standen Roy Bryant und dessen Halbbruder John William Milam (1919–1981). Sie verlangten nach dem schwarzen Jungen aus Chicago. Onkel Moses erklärte ihnen, dass der Junge über die Sitten und Gebräuche im Süden nichts wisse und er entschuldigte sich im Namen seines Neffen. Seine Frau Elisabeth bot den Männern sogar Geld zur Gutmachung an. Aber die Männer stürmten in das Haus und schlugen sie mit dem Gewehrkolben nieder. Als sie den verängstigten Emmett fanden, befahlen sie ihm, sich anzuziehen. Immer wieder brüllten sie zur Eile. Schließlich verließen sie gemeinsam mit dem Jungen das Haus. An deren Chevrolet-Pickup angekommen hörte der Onkel, wie eine Frauenstimme sagte: „Ja, das ist er“. Daraufhin luden sie den Jungen auf die Ladefläche des Wagens und fuhren davon. Als am nächsten Morgen der Junge nicht zurück war, ahnten alle, dass Emmett Louis Till nicht mehr lebend zurückkehren werde. Sein Onkel Moses erstattete schließlich wegen Entführung Anzeige gegen Roy Bryant und J. W. Milam.

Nachwirkungen

Monate später verkauften Roy Bryant und John William Milam ihr Geständnis für 4000 US-Dollar an das Look Magazine. Dort schilderten sie ihre Tat in einem Interview akribisch – ohne jegliche juristische Konsequenz, da sie nach dem geltenden Recht nachträglich nicht mehr verurteilt werden konnten. Jedoch hielt ihr Glück über den Freispruch nicht lange an, da sie fortan gesellschaftlich verachtet und von allen Seiten geschnitten wurden. Sie starben schließlich einsam und verarmt, von Frauen und Kindern verlassen, in Mississippi. Die Proteste gegen den Freispruch der Mörder Emmett Tills gelten neben dem auf die Inhaftierung der Bürgerrechtlerin Rosa Parks folgenden Verkehrsmittelboykott als Beginn der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

Jahrzehnte später recherchierte der Filmemacher Keith Beauchamp für seinen Dokumentarfilm The Untold Story of Emmett Louis Till viereinhalb Jahre in Money und Umgebung. Für den Film hat er zahlreiche Augenzeugen befragt und neue Hinweise auf weitere Tathelfer gefunden. Darin wird erklärt, dass Keith Beauchamp mittlerweile an mindestens zehn Tatbeteiligte glaubt. Die Bundespolizei vernimmt seither Zeitzeugen, Augenzeugen, Verdächtige und Informanten. Ende Mai 2005 exhumierte das FBI den Leichnam Emmett Tills und ließ ihn gerichtsmedizinisch untersuchen. Als Hauptverdächtige gilt Carolyn Bonham, geschiedene Bryant, die nach den Recherchen Keith Beauchamps heute vollkommen zurückgezogen lebt und ihr Haus in Greenville kaum noch verlässt. Emmett Tills Mutter, die zeitlebens durch das Land fuhr und die Geschichte ihres Sohnes an die Öffentlichkeit trug, erlebte die Neuaufnahme der Ermittlungen nicht mehr. Sie starb im Januar 2003.

Im Jahre 2011 veröffentlichte die amerikanische Sängerin Emmylou Harris in ihrem Album Hard Bargain das Lied My Name Is Emmett Till mit der Geschichte von Emmett Till.

wiki: Die 16th Street Baptist Church ist eine Kirche der Baptisten-Gemeinde in Birmingham in Alabama, die überwiegend von Afroamerikanern frequentiert wird. Sie geriet in die Schlagzeilen, als sie am 15. September 1963 das Ziel eines rassistisch motivierten Bombenanschlages wurde, bei dem vier Mädchen ums Leben kamen. Im Jahr 2006 wurde die Kirche zu einer National Historic Landmark erklärt.

Das Attentat

Auch als die Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren an Bedeutung gewann, war die Kirche ein Zentrum dieser Aktionen. So sprachen auch Fred Shuttlesworth und Martin Luther King in der Kirche.

Am Sonntag, 15. September 1963, wurde ein weißer Mann gesehen, wie er aus einem Chevrolet stieg und eine Schachtel an der Treppe zur Kirche platzierte. Kurz darauf, um 10.22 Uhr, explodierte die Bombe und tötete Denise McNair (eine Schulfreundin von Condoleezza Rice), Addie Mae Collins (14), Carole Robertson (14) und Cynthia Wesley (14). Die vier Mädchen waren gerade in der Sonntagsschule gewesen. 23 Menschen wurden außerdem zum Teil schwer verletzt. Der Beerdigung der Mädchen wohnten 8.000 Trauernde bei, darunter jedoch keine Vertreter der Stadtverwaltung.

Bürgerrechtsaktivisten beschuldigten George Wallace, den Gouverneur von Alabama, für das Attentat mitverantwortlich gewesen zu sein. Gerade eine Woche vor dem Anschlag erklärte er gegenüber der New York Times, dass man, um die Integration zu stoppen, ein paar „first-class funerals“ brauche – ein paar „erstklassige Beerdigungen“.

Eine Zeugin identifizierte Robert Chambliss, ein Mitglied im Ku-Klux-Klan, als den Mann, der die Bombe platziert hatte. Er wurde des Mordes sowie des illegalen Besitzes von 122 Stangen Dynamit angeklagt. Am 8. Oktober 1963 wurde Chambliss von der Anklage des Mordes freigesprochen und musste nur wegen des Dynamites 100 Dollar Strafe zahlen.

Der Fall blieb ungelöst, bis Bill Baxley Generalstaatsanwalt von Alabama wurde. Er ließ sich die Unterlagen des FBI bringen und entdeckte, dass viel Beweismaterial gegen Chambliss geheim gehalten und nie im Prozess verwendet worden war.

1977, 15 Jahre nach dem Attentat, wurde Chambliss erneut angeklagt, den Mord begangen zu haben. Der nun 73 Jahre alte Chambliss wurde verurteilt und bekam eine lebenslängliche Haftstrafe. Diese saß er ab, bis er acht Jahre darauf starb. Im Mai 2002 wurde dem 71-jährigen Bobby Cherry Mittäterschaft an dem Mord der Mädchen nachgewiesen und auch er wurde zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

wiki: Die Little Rock Nine waren 1957 die ersten schwarzen Schüler, die drei Jahre nach offizieller Aufhebung der Rassentrennung in amerikanischen Schulen (vgl. Brown v. Board of Education) auf die Little Rock Central High School, in Little Rock, Bundesstaat Arkansas, gingen.

Der damalige Gouverneur des Bundesstaates, Orval Faubus, ließ am Abend vor dem ersten Schultag am 2. September die ihm unterstehende Nationalgarde aufmarschieren, um den etwa sechzehnjährigen Schülern den Zutritt in das Gebäude zu verweigern, außerdem demonstrierten aufgebrachte Weiße vor dem Schulgebäude.

Der Gouverneur musste aufgrund eines Gerichtsentscheids die Nationalgarde am 20. September von der Schule zurückziehen. Am 23. September versuchten die schwarzen Schüler erneut, am Unterricht teilzunehmen, mussten aber nach wenigen Minuten die Schule wegen der wütenden Menschenmenge wieder verlassen.

Um das Bundesrecht durchzusetzen, stellte Präsident Eisenhower am 24. September die 10.000 Mann umfassende Nationalgarde von Arkansas unter Bundeskommando. Er entsandte auf Bitten des Bürgermeisters von Little Rock Bundestruppen (1200 Soldaten der 101. US-Luftlandedivision) in die Stadt, die Versammlungen weißer Demonstranten um die Schule herum auflösten und die schwarzen Schüler auf dem Schulweg und im Gebäude bis vor die Türen der Klassenzimmer schützten.

Dadurch wurde folgenden Schülern der Schulbesuch am 25. September erstmals für einen vollen Schultag ermöglicht:
Melba Pattilo Beals (* 1941)
Elizabeth Eckford (* 1941)
Ernest Green (* 1941)
Gloria Ray Karlmark (* 1942)
Carlotta Walls Lanier (* 1942)
Terrence Roberts (* 1941)
Jefferson Thomas (1942–2010)
Minnijean Brown Trickey (* 1941)
Thelma Mothershed-Wair (* 1940)

Auch nachdem sie Zugang zur Schule erhielten, kam es weiterhin zu Anfeindungen und Ausgrenzungen gegenüber den neun Schülern. Acht der neun Schüler beendeten das Schuljahr, drei machten damals auf der Central High ihren Abschluss. 40 Jahre später wurden die Little Rock Nine von US-Präsident Clinton für ihren Mut bei der Durchsetzung ihrer Bürgerrechte ausgezeichnet. Terrence Roberts war am 20. Januar 2009 Ehrengast bei der Vereidigung des ersten US-Präsidenten afro-amerikanischer Herkunft, Barack Obama, in Washington, D.C.

Film

Charles Guggenheim drehte 1964, sieben Jahre nach den Ereignissen, einen Dokumentarfilm über die Schüler (Nine from Little Rock), der mit dem Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

Literatur

Melba Pattillo Beals: Niemand soll mich weinen sehen. Deutsche Erstveröffentlichung, 2. Auflage. Lübbe, Bergisch Gladbach 1996 (übersetzt von Tatjana Kruse), ISBN 3-404-61353-8.

wiki: Brown v. Board of Education ist die Sammelbezeichnung für fünf von 1952 bis 1954 vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten verhandelte Fälle zum Thema der Rassentrennung an öffentlichen Schulen. Die von betroffenen Eltern eingebrachten Sammelklagen gegen vier Bundesstaaten und den Bundesdistrikt vertraten die Position, dass separate Einrichtungen für Schüler getrennt nach Hautfarbe den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung der Vereinigten Staaten verletzen. Der Oberste Gerichtshof schloss sich dieser Argumentation mit seinem Grundsatzurteil vom 17. Mai 1954 einstimmig an und hob damit die vorher fast einhundert Jahre geltende Rechtsprechung auf. Die Entscheidung markierte das Ende der rechtlich sanktionierten Rassentrennung an staatlichen Schulen in den Vereinigten Staaten.

In seiner Widmung, am Romananfang, erwähnt Elliot Perlman einige der daran beteiligten Frauen – unter anderem Rózia Robota. Rózia Robota (* 1921 in Ciechanów, Polen; † 5. Januar 1945 im KZ Auschwitz-Birkenau), andere Schreibweisen ihres Vornamens Rojza, Rozia oder Rosa, wurde als eine der vier Frauen hingerichtet, die 1944 am (zweiten) bewaffneten Aufstand des jüdischen Häftlings-Sonderkommandos in den Krematorien III und IV im deutschen KZ Birkenau beteiligt waren.

In ihrer Jugend gehörte sie der zionistischen Hashomer Hatzair-Bewegung an.

In Auschwitz wurde sie ab 1942 zur Arbeit in der Effektenkammer, auch „Kanada“ genannt, beim Sortieren der Habe inzwischen vergaster Häftlinge gezwungen. Sie beteiligte sich zunächst an der geheimen Verbreitung von Neuigkeiten unter den Häftlingen. Hadassa Zlotnicka, ebenfalls aus Ciechanów, soll R. Robota für diese Widerstandstätigkeit angeworben haben. Sie lernte dort Ala Gertner kennen und freundete sich mit ihr an. Sie beteiligten sich beide über Monate mit anderen am Schmuggel von täglich 3 Teelöffeln an Sprengstoff zu den Häftlingen des Sonderkommandos, um einen Ausbruch vorzubereiten.

Zusammen mit ihr wurden Ala Gertner, Regina Safirsztajn und Ester Wajcblum gehängt. Nach monatelanger Folter fand im Januar 1945 die Hinrichtung wenige Tage vor Auflösung des Lagers auf dem Appellplatz vor den Augen aller Häftlinge statt. Es wurden Rufe der vier Häftlinge überliefert, die zeigen, dass sie moralisch ungebrochen waren. Ihr Aufstand und die damit verbundenen Verzögerungen in der Mordmaschinerie hat möglicherweise zum Überleben vieler Häftlinge geführt, die sonst noch durch die SS vergast worden wären…

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