Deutschenkind: Die Tora-Trilogie Band 1 von Herbjörg Wassmo. Die Tora-Trilogie spielt in den 1950er Jahren; Band 1 erzählt vom Heranwachsen auf einer bitterlich armen Fischerinsel vor der nordnorwegischen Küste …

Deutschenkind: Die Tora-Trilogie Band 1 von Herbjörg Wassmo
Gebundene Ausgabe: 252 Seiten
Roman Edition Ariadne
Argument Verlag
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Der Rezensionist vergibt 6 von 6 Sternchen für Deutschenkind: Die Tora-Trilogie Band 1 von Herbjörg Wassmo. Der Roman ist nicht mal eben so zu lesen. Er macht traurig und lässt das stumme Leiden hautnah miterleben…

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Nachkriegszeit auf einer kleinen Fischerinsel im Norden Norwegens. Tora wächst mit dem Stigma heran, Kind eines Soldaten der verhassten Besatzungsmacht zu sein. Das macht aus ihr praktisch Freiwild …

»Deutschenkind« ist Band 1 der berühmten Tora-Trilogie, einer Romanfolge, die für das kaum zu Ertragende eine großartige Sprache findet. Herbjørg Wassmo schildert einen historischen sozialen Kosmos – den Alltag der auf den Fischfang angewiesenen Inselbewohner Nordnorwegens in den 1950er Jahren. Mal drastisch, mal komisch, mal erschütternd und verblüffend unverfälscht entfaltet sich die Erlebniswelt eines Kindes an der Schwelle zur jungen Frau.

Nachkriegszeit auf einer kleinen Fischerinsel im Norden Norwegens. Tora wächst mit dem Stigma heran, Kind eines Soldaten der verhassten Besatzungsmacht zu sein. Das macht aus ihr praktisch Freiwild.

Band 1 der berühmten Tora-Trilogie, die für das kaum zu Ertragende eine großartige Sprache findet. Das Haus mit der blinden Glasveranda.

Die Tora-Trilogie spielt in den 1950er Jahren; Band 1 erzählt vom Heranwachsen auf einer bitterlich armen Fischerinsel vor der nordnorwegischen Küste: Die phantasievolle Tora ist das uneheliche Kind einer mittellosen Arbeiterin, geschwängert von einem deutschen Besatzungssoldaten ein Stigma, das Mutter und Tochter zu Außenseiterinnen macht, denn der kollektive Hass auf die Deutschen ist noch frisch.

Toras Mutter Ingrid schuftet in Schichtarbeit für die Fischverpackungsfabrik. Lebensgefährte Henrik ist ein arbeitsunfähiger Trinker, aber Ingrid ist dankbar, als Deutschenliebchen überhaupt einen Mann zu haben. Von Gleichaltrigen drangsaliert, hat die elfjährige Tora nur wenige enge Freundschaften. Ihre Tante Rakel, eine selbstbewusste und großherzige Frau voller Humor, unterstützt Tora tatkräftig. Doch Rakels Mann hat sich unabsichtlich Feinde gemacht.

Dann zieht der taubstumme Frits auf die Insel. Mit ihm gewinnt Tora mehr als einen Freund, auch seine Mutter Randi wird zu einer wichtigen Größe in ihrem Leben.

Trotz schwerer Themen ist dieser Roman ein echter Pageturner eine mitreißende, wunderschöne und wichtige Lektüre. Herbjørg Wassmo schildert einen historischen sozialen Kosmos und zeigt den Kinderalltag an der Schwelle zur jungen Erwachsenen. Mit ihrer bildstarken, ungeheuer direkten Erzählsprache zieht sie uns völlig in Toras Welt hinein. Das karge Leben auf der Insel, der Alltag zwischen argloser Neugier, Gewalt und Vorurteil all das übt einen unwiderstehlichen Sog aus. Ein zeitlos großer Roman, für den Herbjørg Wassmo die höchste Auszeichnung des Nordischen Rates erhielt.

Herbjørg Wassmo, geboren 1942 auf Skogsøya (Vesterålen, Norwegen), war zunächst Lehrerin und schrieb nur als Freizeitbeschäftigung. 1976 brachte sie ihren ersten Lyrikband heraus. 1981 erschien ihr erster Roman Huset med den blinde glassveranda (Deutschenkind), Beginn der beeindruckenden Tora-Trilogie, für die sie 1987 die höchste Auszeichnung des Nordischen Rates erhielt. Seitdem widmet sie sich ganz dem Schreiben. Einer ihrer Romane, Dinas bok, wurde 2002 von Ole Bornedal mit Maria Bonnevie und Gérard Depardieu verfilmt. Herbjørg Wassmo gehört zu den angesehensten und meistgelesenen Schriftstellerinnen Norwegens. Ihre Werke sind in 24 Sprachen übersetzt.

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wikipedia: Herbjørg Wassmo (* 6. Dezember 1942 auf Skogsøya, Vesterålen) ist eine norwegische Schriftstellerin.

Wassmo absolvierte eine Ausbildung als Lehrerin und betrieb das Schreiben als Hobby, bis sie 1976 ihren ersten Lyrikband Vingeslag („Flügelschlag“) herausgab. Den Durchbruch schaffte sie mit ihrem ersten Roman Huset med den blinde glassveranda („Das Haus mit der blinden Glasveranda“) im Jahre 1981, als der Beginn der so genannten Tora-Trilogie – für die sie den Literaturpreis des Nordischen Rates bekam. Sie gab ihren alten Beruf auf und begann neben dem Schreiben Literaturwissenschaften zu studieren.

Große Bewunderung hegt Wassmo für den norwegischen Dichter Knut Hamsun, aber auch russische Literaten, Virginia Woolf, Camilla Collett, Sigrid Undset, Amalie Skram, und die Bibel sind für sie von großer Bedeutung.

Wassmo kaufte vor einigen Jahren den alten Hof „Skogsheim“, auf der Insel Hamarøy, in dem Knut Hamsun 1911 bis 1917 lebte und an den sie intensive Kindheitserinnerungen hat. In Skogsheim (deutsch „Waldheim“) brachte sie ihr erstes Kind zur Welt. Sie lebte zeitweilig in anderen europäischen Städten wie Berlin und Barcelona, um sich dort inspirieren zu lassen und an ihren Büchern zu schreiben. Auch einige ihrer Protagonisten wie Dina oder Rut Nesset lebten zeitweilig in Berlin.

Sie ist verheiratet mit Bjørn Hulleberg.

Ihr bekanntestes Buch ist Dinas bok („Dinas Buch“) aus dem Jahre 1989. Dieser erste Teil der Dina-Trilogie wurde unter dem Titel Dina – Meine Geschichte 2002 von Ole Bornedal verfilmt. In den Hauptrollen spielen Maria Bonnevie und Gérard Depardieu.

Bibliographie

Vingeslag (Gedichte, 1976)
Flotid (Gedichte, 1977)
Huset med den blinde glassveranda (Roman, 1981) (dt. Das Haus mit der blinden Glasveranda)
Det stumme rommet (Roman, 1983) (dt. Der stumme Raum)
Juni-vinter (Theaterstück, 1983)
Veien å gå (Dokumentarischer Roman, 1984) (dt. Der lange Weg – das Buch)
Mellomlanding (Theaterstück, 1985)
Hudløs himmel (Roman, 1986) (dt. Gefühlloser Himmel)
Dinas bok (Roman, 1989) (dt. Das Buch Dina)
Lite grønt bilde i stor blå ramme (Gedichte, 1991)
Lykkens sønn (1992) (dt. Sohn des Glücks)
Reiser – fire fortellinger (1995) (dt. Auf der Reise)
Hemmelig torsdag i treet (Kinderbuch, 1996)
Karnas arv (Roman, 1997) (dt. Dinas Vermächtnis)
Det sjuende møte (Roman, 2000) (dt. Die siebte Begegnung)
Flukten fra Frank (Roman, 2003) (dt. Die Geliebte des Spielers)
Et glass melk takk (Roman, 2006) (dt. Zwischen zwei Atemzügen)
Hundre år (Roman, 2009)

wikipedia: Norwegen unter deutscher Besatzung. Die Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg begann mit dem Unternehmen Weserübung am 9. April 1940 und endete am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht.

Während dieser fünf Jahre waren in Norwegen deutsche Truppen stationiert. Josef Terboven, zuvor Gauleiter in Essen, wurde Reichskommissar. Er übernahm die Kontrolle über die norwegische Regierung, die ohne Wahlen durch den Obersten Gerichtshof gebildet worden war, nachdem König Haakon VII. mit dem legitimen Kabinett unter Ministerpräsident Johan Nygaardsvold ins Exil nach London gegangen war. 1942 wurde der Norweger Vidkun Quisling Regierungschef, sein Name wird heute in mehreren Sprachen als Synonym für einen Kollaborateur oder Verräter gebraucht.

Die Besatzungszeit hinterließ deutliche Spuren im Bewusstsein der Norweger und gab nach dem Krieg Anlass zu Diskussionen über das Verhalten einzelner Bürger zwischen Kollaboration und Widerstand. Auch die norwegischen Widerstandsgruppen kamen in die Kritik, da sie bei Sabotageakten und Anschlägen auf Einrichtungen der deutschen Besatzungsmacht auch zivile Opfer unter der Bevölkerung in Kauf genommen hatten.

(…) Aus deutscher Sicht wurde die Invasion als „Inschutznahme“ gegen britische Operationen in norwegischen Gewässern verteidigt. Der bisherige NSDAP-Gauleiter von Essen, Josef Terboven, zum Reichskommissar für Norwegen ernannt, sollte die „Norweger als Freunde gewinnen“. Dies gelang jedoch nicht. Ein Grund war, dass ihm keine repräsentative Regierung gegenüberstand, mit der er hätte verhandeln können. Der Vorsitzende der kleinen Nasjonal Samling und ehemalige Verteidigungsminister Vidkun Quisling rief sich mit einer Rede im Norwegischen Rundfunk NRK selbst zum Regierungschef aus, was weder die deutsche Regierung noch die norwegische Öffentlichkeit stützten. Die deutschen Besatzer zwangen Quisling, das Amt wieder aufzugeben. So wurde am 15. April 1940 durch den Obersten Gerichtshof Norwegens ein Administrasjonsrådet als Übergangsregierung eingesetzt, an deren Spitze der deutschfreundliche konservative Politiker und Regierungspräsident von Oslo und Akershus, Ingolf Elster Christensen, stand. Nachdem alle Versuche scheiterten, durch Verhandlungen die Anerkennung der Übergangsregierung zu erreichen, erklärte Terboven am 20. September 1940 die Absetzung von König und Exilregierung, die Auflösung des Administrasjonsrådet und das Verbot aller politischen Parteien außer der Nasjonal Samling. Terboven setzte seinerseits zur Umsetzung der deutschen Befehle „Kommissarische Staatsräte“ als Regierung ein. Der Kollaborateur Qisling wurde am 1. Februar 1942 doch noch zum Regierungschef ernannt, um der norwegischen Regierung den Schein einer Legitimität zu geben. Das änderte aber nichts an den realen Machtverhältnissen. Durch SS, SD und Gestapo kam es zu einem Klima des Terrors.

Das norwegische Recht wurde dem deutschen unterstellt. Wenn das geltende Recht nicht im Einklang mit dem deutschen stand, wurde durch den Reichskommissar neues Recht geschaffen. Veröffentlicht wurde dieses in den «Verordnungsblättern für die besetzten norwegischen Gebiete». In einigen besetzten Gebieten wurde auch das deutsche Kriegsrecht ausgerufen.

(…) Die Zivilbevölkerung litt unter Krieg und Besatzung. Mit der deutschen Besatzung war vor allem eine Verschlechterung der Lage der Arbeiter verbunden, was in sinkenden Löhnen, der Rationierung von Lebensmitteln und Brennstoffen und dem damit verbundenen Schwarzmarkt zum Ausdruck kamen. Zu einer Eskalation kam es am 8. September 1941, als die Milchration gesenkt und der Milchverkauf in den Betrieben eingestellt wurde. Daraufhin wurde in 55 Betrieben im Raum Oslo die Arbeit niedergelegt, was als der Milchstreik bekannt wurde. Dagegen wurde mit äußerster Härte vorgegangen. Viele Norweger litten an Mangelkrankheiten. Dänemark und Schweden unterstützten die Bevölkerung durch Hilfslieferungen. Der Durchschnittsbedarf an Nahrungsmitteln wurde im Deutschen Reich mit 2700 Kalorien berechnet. Die Dänen hatten 3100 Kalorien zur Verfügung, während die Bürger von Norwegen, Belgien, Frankreich und Italien mit 2000 Kalorien täglich auskommen mussten und Osteuropäer nur höchstens 1500 Kalorien pro Tag hatten.

In Norwegen wurden rund 12.000 Besatzungskinder, also Kinder von deutschen Soldaten mit norwegischen Frauen, geboren (davon schätzungsweise 8.000 im Rahmen des norwegischen Lebensborn-Programmes).

Das Schicksal und vor allem die systematische Diskriminierung dieser Tyskerbarn sowie ihrer mit dem Schimpfwort Tyskertøs („Deutschenflittchen“) bezeichneten Mütter in der Nachkriegszeit war in Norwegen ein jahrzehntelanges Tabu.

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