Der Himmel der Bayern – eine literarische Wetterkunde. Zumindest in der Tourismuswerbung und in der Hymne der Bayern. Die Wirklichkeit ist weit differenzierter. Das Wetter gestaltet Landschaft und Natur …

Bayerisches Feuilleton
der Himmel der Bayern – eine literarische Wetterkunde

Der Himmel über Bayern strahlt weiß und blau

Zumindest in der Tourismuswerbung und in der Hymne der Bayern. Die Wirklichkeit ist weit differenzierter. Das Wetter gestaltet Landschaft und Natur. Bei Nebel und Regen ist der Himmel grau – und die Alpen verschwinden, bei Föhn ist der Himmel tiefblau – und die Alpen sind zum Greifen nah. Das Wetter bestimmt die Jahreszeiten, die Temperaturen, das Essen, die Kleidung, unseren Alltag.

Es verändert Farben, Licht, Konturen, Geräusche, Gerüche und ist gleichzeitig Ausdruck unserer seelischen Empfindungen: Sind wir traurig, so weint der Himmel. Droht Ärger, so zieht ein gewaltiges Gewitter auf. Haben wir Glück, lacht die Sonne. Ist jemand umtriebig, so macht er viel Wind. Den Zusammenhang zwischen Wetter und menschlichen Erfahrungen dokumentieren Bauernregeln, aber auch Sprichwörter und Phrasen. Wir kommen vom Regen in die Traufe, wenn wir vom Unglück verfolgt werden.

Es zieht ein Gewitter auf, sagen wir, wenn Gefahr droht, und wir bitten um gutes Wetter, wenn wir wohlwollend behandelt werden wollen. Himmel und Wetter faszinieren. Anders ließe sich auch nicht erklären, warum Schriftsteller, Maler und Musiker ihr Augenmerk so gern auf meteorologische Erscheinungen richten, um Gefühlslagen auszudrücken: auf Föhn und Sonnenschein, aber auch auf Gewitter, Hagel, Sturm, Kälte, Nässe und Dürre. Lesespuren zum Wetter verstecken sich in Notiz- und Tagebüchern, Briefen und Werken von Heinrich Heine, Wilhelm Leibl, Adalbert Stifter, Edward Elgar, Christian Morgenstern, Lena Christ, Ludwig Ganghofer, Franziska zu Reventlow, August Macke, Richard Strauss, Thomas Mann, D.H. Lawrence, Ödön von Horváth, Grete Weil und vielen anderen.

Elisabeth Tworek sieht das Wetter durch deren Brille und geht den Fragen nach, wie sie Hagel, Blitz und Sonnenschein einsetzen, welche Gefühle sie damit erzeugen wollen und wofür das Wetter steht – in der Kunst wie im Leben.

Samstag, 22.6. | 8.05 Uhr | Bayern 2
Wiederholung: Sonntag, 23.6. | 20.05 Uhr | Bayern 2
Quelle: KULTUR-Newsletter – Bayerischer Rundfunk

Altes Wetterwissen wieder entdeckt

Altes Wetterwissen wieder entdeckt

Buchperlen Leseempfehlung

Altes Wetterwissen wieder entdeckt: Bauernregeln · Wolken & Wind · Tiere & Pflanzen
Bernhard Michels
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
BLV Buchverlag

Das Wetter gehört zu unserem Alltag. Was es aber mit Wetterzeichen und Wetterregeln genau auf sich hat, wissen nur wenige. „Altes Wetterwissen“ ist ein spannendes Lesebuch und ein fundierter Ratgeber rund um das Thema Wetter. Das Buch hilft bei der eigenen regionalen Wetterprognose, der Arbeit im Garten, bei Beobachtungen in der Natur und gibt Einblick in die Kulturgeschichte. Es birgt einen immensen Wissensschatz, den der Autor seit Jahrzehnten zusammengetragen hat. Von Kindheit an hat er Wetterphänomene beobachtet und aufgezeichnet, mit wissenschaftlichen Daten kombiniert, Bauernregeln und Tierverhalten analysiert.
Im Buch wird zunächst erklärt, was jeder beobachten kann: Es geht um Hoch- und Tiefdruckgebiete, um Höhen- und Bodenwinde, um Feder- und Schäfchenwolken, um die Farben des Mondes und darum, was Maulwurfshügel und Silberdistel anzeigen können. Die Phänologie beschreibt den Naturkalender mit zehn Jahreszeiten vom Vorfrühling bis Spätherbst und Winter und die Bedeutung für Natur, Landwirtschaft und Obstgarten.
Im Kapitel „Mensch und Wetter“ geht es um empfundene Temperatur, Tipps für Wetterfühlige und Anleitungen zum Basteln von Messgeräten. Den Schlussakzent des Buches setzt das Kalendarium mit Blick auf den Hundertjährigen Kalender. Hier stehen für jeden Monat Mittelwerte und Rekorde, Tierphänomene, Lostage und Wetterprognosen. Dieses Buch fördert Verständnis und Respekt für die natürliche Umwelt, indem es das Wissen um die Beziehung zwischen Wetter, Mensch und Natur zusammenfasst und weitergibt. Farbig hervorgehobene Wetter- und Bauernregeln, historische Darstellungen und eindrucksvolle Fotos, Tabellen und Grafiken machen es besonders attraktiv. Auch wenn man kein Hobby-Meteorologe ist, „Altes Wetterwissen“ ist eine unterhaltsame und lehrreiche Fundgrube zu einem Thema, das uns alle angeht.

Bernhard Michels wurde 1960 geboren, ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Aufgewachsen auf dem elterlichen, landwirtschaftlichen Betrieb begeisterte sich Michels schon früh für den Jahreszeitenwandel. Seit über 25 Jahren beschäftigt er sich sehr intensiv mit den Themen Wetter, Mensch und Natur sowie Garten.

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