Tabu: Roman von Ferdinand von Schirach. Verbrechen: Roman von Ferdinand von Schirach. Rückblick: Verbrechen nach Ferdinand von Schirach, ZDF

Tabu

Tabu

Tabu
Ferdinand von Schirach
ROMAN
Erscheint am 11.09.2013
256 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05569-7
Zum Buch Tabu von Ferdinand von Schirach mit weiteren Infos und Bestellmöglichkeiten

Sebastian von Eschburg verliert als Kind durch den Selbstmord seines Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Er zeigt mit seinen Fotografien und Videoinstallationen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Es geht um Schönheit, Sex und die Einsamkeit des Menschen. Als Eschburg vorgeworfen wird, eine junge Frau getötet zu haben, übernimmt Konrad Biegler die Verteidigung. Der alte Anwalt versucht dem Künstler zu helfen – und damit sich selbst.

Schirach schreibt über ein aktuelles gesellschaftliches Thema, das den Leser zwingt, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Aber dieses Buch ist viel mehr: Schirach hat den Roman eines Lebens geschrieben, lakonisch, poetisch, berührend.

Verbrechen

Verbrechen

Verbrechen
Ferdinand von Schirach
STORIES
Erschienen am 01.08.2009
208 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-492-05362-4
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Die Wahrheit. Nichts als die Wahrheit.

Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: Er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Doris Dörrie verfilmt als erste eine Geschichte aus Ferdinand von Schirachs Bestseller-Erzählband »Verbrechen«. »Glück« wird im Verleih der Constantin Film in die deutschen Kinos kommen.

Ferdinand von Schirach, geboren 1964, arbeitet seit 1994 als Strafverteidiger in Berlin. Seine Erzählungsbände »Verbrechen« und »Schuld« wurden, genau wie sein erster Roman »Der Fall Collini«, zu internationalen Bestsellern. In mehr als dreißig Ländern erschienen Übersetzungen. Schirach wurde mit dem Kleist-Preis und anderen – auch internationalen – Literaturpreisen ausgezeichnet. »Verbrechen« wird als Serie im ZDF gezeigt, »Schuld« wird demnächst verfilmt. Weitere Kinofilme sind angekündigt.

Pressestimmen

Ferdinand von Schirach schreibt so souverän, klar und einfach, als hätte er nie etwas anderes gemacht … er ist ein großartiger Erzähler. Der Spiegel
»Diese Geschichten sind deswegen so ergreifend, weil der Erzähler kontrolliert jegliches Pathos vermeidet. Seine kühle Prosa ist die literarische Entdeckung des Jahres.« Abendzeitung
Wunderbar, fesselnd von der ersten Seite an und ohne jeden falschen Ton. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
»Ein erfolgreicher Berliner Strafverteidiger erweist sich als bestürzend scharfsichtiger Erzähler, der in schlaglichtartigen Geschichten zeigt, wie sich die Parallelwelt des Verbrechens in der bürgerlichen Welt einnistet.« Literarische Welt
»Eines ist den Geschichten allen gemein: Sie erzählen von menschlichen Dramen und geben den Blick frei in seelische Abgründe. Schirach ist nicht nur ein erfolgreicher Strafverteidiger, er erweist sich auch als begnadeter Erzähler(…) Das reale Leben hält mehr Tragödien bereit, als Krimiautoren erfinden könnten. Sehr lesenswert.« Buchmarkt
»Jede einzelne Geschichte beweist, dass die Wirklichkeit viel bizzarer sein kann, als die abseitigste Fantasie eines Krimi-Autors. Schirach erzählt ganz nüchtern und undramatisch, was eben deshalb seine Wirkung nicht verfehlt.« Der Standard (AT)
»Mitunter kamen mir, wenn ich über die Lakonie lachen mußte, mit der da finstere Vorgänge beschrieben werden, Fauser und Bernhard in den Sinn. Natürlich sind Schirachs Texte nicht genuin komisch, es sind eher kleine komische Funken, die vor dem meist rabenschwarzen Hintergrund manchmal trivialer, manchmal tragischer Verbrechen um so heller leuchten.« Titanic
Um die Vielschichtigkeit einer Tat geht es ihm. Sie beschreibt er nüchtern, wortkarg und immer so, dass der Leser am Ende Verständnis, fast Mitleid mit dem Täter hat. Literarische Welt
»Ein Anwalt erzählt, wie das Leben so spielt – messerscharf und zärtlich zugleich. Von dem Mann möchte man sich sofort verteidigen lassen.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
»Was an diesem Buch in Bann schlägt, ist die Formvollendetheit, die reine Sprachästhetik. Schirach schreibt nicht über das Verbrechen, er formt das Verbrechen zu Literatur. Er überwindet nicht schreibend das Chaos, sondern erhebt es zu einem ästhetischen Phänomen. Das ist faszinierend und beunruhigend zugleich.« taz
»Wer einem Nichtjuristen die Welt und das Wirken eines Strafverteidiger näher bringen will, dem sei unbedingt Ferdinand von Schirachs Verbrechen ans Herz gelegt. Nicht nur wegen der klaren, präzisen, schönen Sprache, mit der er seine Geschichten komponiert. Sondern auch, weil man nur selten eine literarisch so gekonnte Auseinandersetzung mit dem Schuldprinzip des deutschen Strafrechts findet. Schirach ist ein außergewöhnliches Buch gelungen, für Juristen und Nichtjusristen gleichermaßen.« Financial Times Deutschland
»Man staunt über sein Vermögen, in nur vier, fünf kurzen Sätzen eine Stimmung, ein Gefühl für eine Atmosphäre, ein Gesicht, einen Charakter entstehen zu lassen (….) eine echte Meisterleistung… Dies hier ist eine besonders dringliche Leseaufforderung!« Falter (AT)
Was sind das für Geschichten? Warum fesseln sie? Weil sich hinter der Sachlichkeit Parteinahme verbirgt, die keine politische Korrektheit kennt. Schirachs Moral ist eigenwillig. Eigensinnig. Ruhig: aber äußerst störrisch. Seine Texte verschließen ein Rätsel in sich. Was ist Schuld? WAZ
Eines ist den Geschichten allen gemein: Sie erzählen von menschlichen Dramen und geben den Blick frei in seelische Abgründe. Schirach ist nicht nur ein erfolgreicher Strafverteidiger, er erweist sich auch als begnadeter Erzähler … Das reale Leben hält mehr Tragödien bereit, als Krimiautoren erfinden könnten. Sehr lesenwert. Buchmarkt
Ein unglaublich beeindruckendes Buch … BZ
›Verbrechen‹ ist das gemeinste, hinterhältigste und tollste Buch, das ich seit Langem gelesen haben. Es schleicht sich an … Aber dann haut einen jedes einzelne Kapitel aus den Schuhen. WDR 2

Rückblick: VERBRECHEN
nach Ferdinand von Schirach
sonntags, ab 7. April 2013, 22.00 Uhr, ZDF

Grundlegend neue „Verbrechen“

Vom Verbrechen zehrt das alltägliche Fernsehprogramm. Krimis und Thriller sind beliebt, und die Erzählmuster wiederholen sich zwangsläufig. Die sechsteilige Serie „Verbrechen“ weicht von diesen grundlegend ab. In einer neuen Weise nimmt der Zuschauer an der Entstehung des „Verbrechens“ teil. Fragen stellen sich, ob die gezeigten Taten der landläufigen Vorstellung von Verbrechen entsprechen. Wie es sich mit der Unterscheidung von Täter und Opfer verhält. Sehr deutlich wird, dass die ZDF-Serie unter dem vom Publikum „gelernten“ Fernsehgenre Krimi nicht zu subsumieren ist.

Neu ist vor allem auch, dass aus der Perspektive des Anwalts erzählt wird, der den Delinquenten zu verteidigen hat. Josef Bierbichler gibt dem Strafverteidiger Friedrich Leonhardt mit seinem Auftritt und seinem Spiel eine Präsenz, welche die thematisch ausgesprochen vielfältige Serie zusammen hält. Die Geschichten reichen von der fürchterlichen Ehe eines schwäbischen Kleinstadt-Arztes über das zweifelhafte Liebesleben eines Berliner Großindustriellen bis hin zu vertrottelten Kleinkriminellen aus Berlin-Neukölln, die den Falschen berauben und sich in der Folge einem Berufskiller gegenüber sehen.

Der Jurist Ferdinand von Schirach hat den Sinn anwaltlichen Wirkens auf eine treffende, aber den Unkundigen irritierende Weise bestimmt. Danach ist die „Wahrheit“ des Anwalts nur das Wissen, das er braucht, um den Angeklagten möglichst gut verteidigen zu können. Mehr nicht.

Der überwältigende Erfolg von von Schirachs Erzählband „Verbrechen“ beruht auch darauf, dass er mit knapper Diktion einen Subtext der Größe und Wucht vermittelt, der die Phantasie des Lesers anregt, packende Bilder im Kopf entstehen lässt. Produzent Oliver Berben und sein Team haben die Stories auf eine milieugenaue, bildkräftige, figurenstarke und vor allem noch nicht da gewesen moderne Art ins Medium Fernsehen übertragen. Das ZDF setzt mit „Verbrechen“ für die deutsche Fernseherzählweise von Geschichten, in denen Menschen gewaltsam zu Tode kommen, ein Zeichen.
Günther van Endert
Redaktion Fernsehspiel II

ab Sonntag, 7. April 2013, 22.00 Uhr
VERBRECHEN
nach Ferdinand von Schirach
Serie
Regie Jobst Christian Oetzmann und Hannu Salonen
Buch Jobst Christian Oetzmann, André Georgi
und Nina Grosse nach den Kurzgeschichten
von Ferdinand von Schirach, erschienen
im PIPER Verlag
Kamera Hanno Lentz
Ton Rainer Plabst
Szenenbild Björn Nowak
Casting Mai Seck
Kostüm Dorothée Kriener
Musik & VFX Solo Avital
Produktionsleitung Rolf Klaussner
Produzent Oliver Berben
Producer Jan Ehlert
Produktion MOOVIE the Art of Entertainment GmbH
Redaktion Günther van Endert

Sonntag, 7. April 2013, 22.00 Uhr
Fähner (1/6)
Regie Hannu Salonen
Buch André Georgi
Friedrich Leonhardt Josef Bierbichler
Friedhelm Fähner Edgar Selge
Ingrid Fähner Annette Paulmann
Junger Friedhelm Fähner Fabian Busch
Junge Ingrid Fähner Britta Hammelstein

Die Geschichte einer verunglückten Ehe in Süddeutschland. Ein gutmütiger Arzt heiratet eine Frau, die ihn überfordert und im Laufe der Jahre regelrecht terrorisiert. Demütigungen, Feindseligkeiten, Gewalt. Der Arzt „flieht“ täglich in seinen Garten, bis es nicht mehr geht und er seine Frau mit der Axt erschlägt. Anschließend stellt er sich umgehend der Polizei mit den Worten: „Ich hab‘ Ingrid kleingemacht.“

Tanatas Teeschale (2/6)
Buch und Regie Jobst Christian Oetzmann
Friedrich Leonhardt Josef Bierbichler
Özcan Denis Moschitto
Manolis Adam Bousdoukos
Pocol Kida Khodr Ramadan
Samir Alpa Gun
Wagner Jockel Tschiersch

Berliner Kleinkriminelle mit Migrationshintergrund stehlen eher zufällig eine unermesslich wertvolle Teeschale aus einer japanischen Villa und verheben sich komplett daran. Berliner Straßenkultur trifft auf eine Jahrhunderte alte, japanische Tradition, die sich mit maximaler Härte zurückholt, was ihr genommen wurde.

Sonntag, 14. April 2013, 22.00 Uhr
Grün (3/6)
Buch: Nina Grosse
Regie: Hannu Salonen
Friedrich Leonhardt Josef Bierbichler
Philipp von Nordeck Vladimir Burlakov
Klaus von Nordeck Jan Fedder
Angelika Petersson Bettina Zimmermann
Bauer Gericke Robert Gallinowski
Dr. Saal Sven Lehmann
Staatsanwalt Kauther Peter Jordan
Polizist Talheim Rainer Sellien

Ein Abiturient verspürt den Drang, nachts Schafe zu töten. Um das merkwürdige Verhalten seines Sohnes zu vertuschen, entschädigt sein Vater die Bauern jedes Mal, wenn es geschieht. Als der junge Mann jedoch eines morgens zitternd, mit einem blutigen Messer in der Faust auf der Dorfstraße steht, durchsucht die Polizei anschließend das Anwesen der Familie. Sie finden eine Zigarrenkiste, in der sich zwei herausgeschnittene Augen und das Foto eines Mädchens aus demselben Dorf befinden. Weitere Ermittlungen ergeben, dass das Mädchen seit zwei Tagen nicht nach Hause gekommen ist.

Der Igel (4/6)
Buch und Regie: Jobst Christian Oetzmann
Friedrich Leonhardt Josef Bierbichler
Karim Fataris Karim Chérif
Walid Fataris Hassan Chahrour
Kommissar Dalger Conrad F. Geier
Mutter Fataris Meriam Abbas
Vorsitzende Richterin Ute Willing
Staatsanwalt Matthias Bundschuh
Albert Koschintski Peter Trabener

Ein Libanese wird wegen bewaffneten Überfalls angeklagt und im Zuge einer Gegenüberstellung mit dem geschädigten Juwelier zweifelsfrei identifiziert. Zudem hat er ein Vorstrafenregister, dessen Verlesung alleine eine halbe Stunde dauern würde. Bei der Gerichtsverhandlung erwartet niemand einen anderen Ausgang als dass der Mann hinter Gitter wandert, bis der jüngste Bruder des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen wird. Er ist der einzige von insgesamt neun Brüdern, der überhaupt keine Vorstrafen hat und wirkt außerdem leicht zurückgeblieben, weshalb niemand seine Aussage in Frage stellt – bis die Ereignisse eine überraschende Wendung nehmen.

Sonntag, 21. April 2013, 22.00 Uhr
Summertime (5/6)
Buch: Nina Grosse
Regie: Hannu Salonen
Friedrich Leonhardt Josef Bierbichler
Melanie Boheim Katja Flint
Percyy Boheim Pierre Besson
Abbas Portas Hassan Akkouch
Stefanie Becker Friederike Becht
Staatsanwalt Schmied Jürgen Schornagel

Die Leiche einer jungen Frau liegt auf einem luxuriösen Hotelbett, sie wurde mit der schweren Lampe von einem der Nachttische erschlagen, auf dem sich noch ein Umschlag mit fünfhundert Euro in bar befindet. Einer der wohlhabendsten Männer der Stadt verheddert sich in seiner Version der Geschichte. Schließlich gibt er zu, eine „finanzielle Vereinbarung“ mit dem Opfer gehabt zu haben. Trotzdem besteht er darauf, mit ihrem Tod nichts zu tun zu haben, er will das Hotel schon lange vor dem Auffinden der Leiche verlassen haben. Die Tiefgarage des Hotels verfügt über eine Überwachungskamera, die diese Aussage zunächst zu widerlegen scheint – bis herausgefunden wird, dass die Uhr der Kamera immer auf Winterzeit läuft, das Verbrechen aber während der Sommerzeitperiode stattgefunden hat. Das wiederum beweist, dass der Verdächtige die Wahrheit sagt – oder doch nicht?

Notwehr (6/6)
Buch und Regie Jobst Christian Oetzmann
Friedrich Leonhardt Josef Bierbichler
Unbekannter Tomas Arana
Richter Lambrecht Gustav Peter Wöhler
Dr. Lorenz Thomas Thieme
Beck Antonio Wannek
Kommissar Dalger Conrad F. Geier

Auf einem Busbahnhof wird ein namenloser Mann von zwei jungen Männern angegriffen. Obwohl sie mit Baseballschläger und Jagdmesser bewaffnet sind, wehrt der Mann sie ab und tötet sie mit ihren eigenen Waffen. Das Einzige, was er außer Zigaretten und auffallend viel Bargeld bei sich trägt, ist die Karte einer renommierten Anwaltskanzlei. Die Identität des Mannes ist nicht zu klären. Er schweigt und muss wieder entlassen werden, obwohl er offensichtlich ein dunkles Geheimnis trägt.

„Stilisiert, reduziert, konzentriert“

Das Gefühl, das sich nach dem allerersten Lesen des Erzählbandes „Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach eingestellt hat, ist schwer zu beschreiben. Da werden Geschichten erzählt, die auf den ersten Blick Krimis sind, aber dann auch wieder nicht. Sie sollen authentisch und wahr sein, aber dann auch wieder nicht. Außerdem sind es Kurzgeschichten, also beispielhafte Ausschnitte aus Schicksalen, aber dann sind sie auch das am Ende nicht. Sie sind weit mehr als alles das.

Ferdinand von Schirachs Texte sind meisterhaft destillierte, konzentrierte Versionen ihrer jeweiligen Realität. Sie lassen aus, lassen weg, reduzieren auf das Wesentliche – so lange und so weit, bis wir selbst die Geschichten in uns wieder zu einem großen Ganzen zusammensetzen. Und ehe wir es uns versehen, stehen wir mittendrin im unglaublichen Geschehen und starren in Abgründe, die wir letztlich in uns selbst gefunden haben. Immer wieder lesen wir nach: „Wo stand das nochmal?“ Und dann steht da etwas ganz anderes, nämlich nur ein Bruchteil dessen. Nur der Hinweis auf das, was wir in unserer Erinnerung daraus gemacht haben. Ein Universum in einem Nebensatz, suggestiv. Subversiv. Das ist Ferdinand von Schirachs Anthologie „Verbrechen„.

Was, wenn Fernsehen so sein könnte? Stilisiert, reduziert, konzentriert. Ausgewählte, kraftvolle Bilder. Mehr als nur eine Perspektive. Symbole. Eine moderne Erzählstruktur, die ihre Genauigkeit aus Selektion bezieht. Filme, die wie die Texte sind, für die sie stehen. Eine Werktreue, die über ein möglichst genaues Illustrieren von Text weit hinaus geht.

Diese Werktreue bis ins Detail ist von den ersten Entwicklungsschritten an Grundlage dieser Produktion gewesen – ihre Einhaltung gleichzeitig die schwierigste, umfassendste Aufgabe, denn sie stellt ein starkes, vordergründiges Konzept dar, was immer auch Einschränkungen in der Kreativität bedeutet. Gleichzeitig ermöglicht dieses starke Konzept, die bewusste Heterogenität der Geschichten und ihrer handelnden Figuren beizubehalten. Es geht eben nicht nur um Gangster, um Junkies und Prostituierte. Auch Abiturienten, Ärzte und Industrielle werden zu Verbrechern. Keine zwei Filme sind auch nur annähernd gleich. Nicht einmal ein einheitliches Genre gibt es. Es ist Komisches dabei, Spannendes und Tragisches. Ländliche Kammerspiele, urbane Gangsterdramen, mal über drei Tage und dann über fünf Jahrzehnte.

Aber es bleibt immer „Verbrechen“.

Der klassische Fernsehkrimi erfreut sich dieser Tage außerordentlicher Beliebtheit. Gleichzeitig aber lässt sich seine Halbwertzeit erahnen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Zeit für etwas Neues, etwas wirklich Anderes gekommen ist. Jenseits von Polizeiarbeit, moralischer Schulmeisterlichkeit und Kommissaren als Familienmanagern. Dafür näher am Thema, an den „Verbrechen„. Näher an den Taten und den Tätern. Hautnah. Denn sie sind unter uns, vielleicht gerade da, wo wir sie nicht vermuten. Wir sind mittendrin. Vielleicht unterscheiden wir uns ja auch gar nicht so sehr von den Leuten, die zu Verbrechern werden. Vielleicht kann es jedem von uns jederzeit passieren, dass wir die Kontrolle verlieren, die wir über unser Leben zu haben glauben. Wenn es so weit ist, werden wir einen Anwalt brauchen. Einen wie Josef Bierbichler zum Beispiel. Wir sind uns absolut sicher: einen besseren kann man sich gar nicht wünschen.

Oliver Berben, Produzent
Jan Ehlert, Producer

„Kino ist eine andere Kunstform“

Oliver Berben traf ich das erste Mal in einem kleinen Restaurant in Berlin. Damals hatte mein Verlag schon von allen möglichen Regisseuren und Filmproduzenten Angebote bekommen, einer hatte sogar Teile eines Drehbuchs geschrieben – der Anwalt wurde dort zu einem Kommissar, der mit Hilfe von James-Bond-Spielzeugen Verbrecher jagt. Orginell, aber nicht ganz, was ich wollte. Oliver Berben war anders, ganz anders. Nach ein paar Minuten war mir klar, dass er der Richtige ist. Vermutlich klingt das selbst für ein Presseheft ein wenig zu pathetisch – aber tatsächlich kenne ich niemanden, dessen Begeisterung und Energie so mitreissend ist. Ein paar Monate später trafen wir uns in München wieder. Obwohl es kalt war, saßen wir draußen, weil man dort in keinem Café mehr rauchen darf. Ich hatte die Drehbücher nicht gelesen. Kino ist eine andere Kunstform und ich hatte gedacht, alle Beteiligten seien freier, wenn ich mich nicht einmische. Berben sagte, Bierbichler werde den Anwalt spielen. „Bierbicher – stellen Sie sich das vor“ – er war immer noch völlig ausser sich.

Was für eine ungeheure Idee: Bierbichler hatte ich zuletzt im „Weissen Band“ gesehen, ein ebenso grantiger wie weicher Mann, einer der besten Schauspieler, die ich kenne. Warum? Weil man ihm in keiner Sekunde anmerkt, dass er ein Schauspieler ist – alles an ihm ist echt. Auf dem Filmfest München habe ich drei der Filme dann zum ersten Mal gesehen. Es ist schwer zu erklären, wie es mir ging. Die Geschichten habe ich nachts geschrieben, nur ein Laptop auf einem leeren Schreibtisch. Schreiben ist ja immer einsam, lange Zeit ist man mit seinen Figuren alleine, man lebt mit ihnen. Ein Film ist das Gegenteil davon – hunderte von Menschen sind damit beschäftigt, es ist laut und schnell. Und dann sieht der Schriftsteller den Film, seine Geschichte, so wie andere Menschen sie sehen. Es war überwältigend. Ich weiß, Deutschland gilt nicht als das Land, in dem große Serien entstehen. Jede Zeitung verweist gebetsmühlenartig auf die skandinavischen Länder oder auf die wunderbaren, epischen Serien aus Amerika wie „Mad Men“, „Homeland“ oder „Breaking Bad“. Aber ich vermute, durch diese Filme könnte sich das ändern.
Ferdinand von Schirach

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Ferdinand von Schirach (* 1964 in München) ist ein deutscher Strafverteidiger und Schriftsteller. Von Schirach ist Sohn des Münchner Kaufmanns Robert von Schirach (1938–1980) und Enkel des NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Er wuchs in München und Trossingen auf und besuchte das Jesuiten-Kolleg St. Blasien, über das er anlässlich der Missbrauchfälle im Spiegel schrieb.[1] Nach seinem Studium in Bonn und seinem Referendariat in Köln und in Berlin ließ er sich 1994 als Rechtsanwalt nieder, spezialisiert auf Strafrecht. Von Schirach gilt als „Promi-Anwalt“ und vertrat unter anderen den BND-Spion Norbert Juretzko, ferner Günter Schabowski im so genannten „Politbüroprozess“. Er machte im Rahmen der Liechtenstein-Affäre von sich reden, als er Strafanzeige gegen den Bundesnachrichtendienst erstattete oder als er im Namen der Familie des verstorbenen Schauspielers Klaus Kinski Strafanzeige gegen den Berliner Datenschützer erstattete, als dieser der Veröffentlichung der Krankenakte Kinskis zustimmte. Schirach ist ausschließlich auf dem Gebiet des Strafrechts tätig.

Bücher

Im August 2009 veröffentlichte Schirach im Piper Verlag das Buch Verbrechen, das 54 Wochen auf der Bestseller-Liste des Spiegels blieb. Der Erzählband mit Kurzgeschichten basiert auf Fällen aus seiner Kanzlei. Die Rechte an dem Buch wurden in über 30 Länder verkauft, unter anderen an Verlage wie Éditions Gallimard in Frankreich, Alfred A. Knopf, Inc. in den USA, Chatto and Windus in England oder Salamandra in Spanien. Das Hörbuch Verbrechen, gelesen von Burghart Klaußner, ist 2009 bei Der Audio Verlag erschienen.

Im August 2010 erschien, ebenfalls im Piper Verlag, sein zweites Buch Schuld. Wie der Band Verbrechen enthält es kurze Erzählungen aus dem anwaltlichen Alltag. Sofort nach Erscheinen war es auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegels. Das von Burghart Klaußner gelesene Hörbuch gewann den deutschen Hörbuchpreis 2011. Die Constantin Film kaufte auch die Filmrechte an diesem Buch.

Im September 2011 veröffentlichte Schirach, erneut im Piper Verlag, das Buch Der Fall Collini, das auf Platz 2 der Bestsellerliste des Spiegels einstieg. Das Buch erzählt vom Mord am Industriellen Hans Meyer, der früher NS-Offizier in Italien war. Thematisiert wird das schwierige Gerichtsverfahren, welches aber nicht zum Abschluss kommt, weil der Angeklagte Selbstmord begeht. Thema sind die Urteile der deutschen Nachkriegsjustiz, die milde mit NS-Tätern umgegangen ist, sowie die Problematik der Verjährung an der Beihilfe zum Mord, ausgelöst durch das Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG), an dem der Jurist Eduard Dreher maßgeblich beteiligt war. Zum Erscheinungstag zeigten die Tagesthemen einen Bericht über das Buch.

Die Welt sprach von einer „glasklaren Geschichte von bestürzender Amoralität“, der Focus von einem „Glücksfall für die deutsche Literatur“. Schirach erklärte in einem Interview mit der Zeit, dass es ihm nicht um die Frage „Wer war der Mörder?“ ginge, sondern um die Frage „Was ist das Motiv?“. In einem Essay im Spiegel äußerte sich Schirach erstmals über seinen Großvater Baldur von Schirach. Er schrieb, „Der Fall Collini“ sei keine Aufarbeitung seiner Familiengeschichte, vielmehr schreibe er „über die Nachkriegsjustiz, über die Gerichte in der Bundesrepublik, die grausam urteilten, über die Richter, die für jeden Mord eines NS-Täters nur fünf Minuten Freiheitsstrafe verhängten. Es ist ein Buch über die Verbrechen in unserem Staat, über Rache, Schuld und die Dinge, an denen wir heute noch scheitern.“ Der Cicero schrieb, Schirachs Sprache sei ausgehärtet und genau kalkuliert, er stelle sich, anders als Bernhard Schlink, vehement auf die Seite der Opfer. Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger setzte am 11. Januar 2012 eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Bundesministerium für Justiz ein und verwies dabei unter anderem auf den Roman Der Fall Collini.

Alleine in Deutschland verkauften sich die Bücher von Ferdinand von Schirach mehr als eine Million mal (Stand: Februar 2012). In vielen Ländern waren seine Bücher Bestseller.

Verfilmungen

Die Constantin Film kaufte die Filmrechte an den Büchern Verbrechen und Schuld. Doris Dörrie drehte im Jahre 2012 nach einer Geschichte daraus den gleichnamigen Film Glück.
Sechs der Kurzgeschichten aus dem Band Verbrechen wurden im April 2013 als Mini-Serie im ZDF unter dem Titel Verbrechen nach Ferdinand von Schirach gezeigt. Josef Bierbichler spielt die Hauptrolle des Anwalts, weitere Schauspieler sind Edgar Selge, Tomas Arana und andere. Produzent ist Oliver Berben.
Angesichts des „großen Erfolges von ‚Verbrechen‚ bei Publikum und Kritikern“ kündigte das ZDF im Mai 2013 an, auch Kurzgeschichten aus dem Band Schuld zu verfilmen. Produzent ist wieder Oliver Berben.

Schuld

Schuld

Werke (Auswahl)

Verbrechen. Piper, 2009, ISBN 978-3-492-05362-4.
Schuld. Piper, 2010, ISBN 978-3-492-05422-5.
Der Fall Collini. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-05475-1.
Carl Tohrbergs Weihnachten. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-05552-9.

Homepage von Ferdinand von Schirach

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