Egon Bahr: Das musst du erzählen. Erinnerungen an Willy Brandt. Zum 100. Geburtstag Willy Brandts …

Egon Bahr
»Das musst du erzählen«
Erinnerungen an Willy Brandt
240 Seiten
Erschienen: 08.03.13
mit 16 Seiten s/w-Abbildungen.
gebunden mit Schutzumschlag
€ 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 27,90
ISBN-13: 9783549074220
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Egon Bahr »Das musst du erzählen«

Egon Bahr »Das musst du erzählen«

Der Rezensionist vergibt 6 von 6 Sternchen für das Buch Egon Bahr: Das musst du erzählen. Erinnerungen an Willy Brandt. Egon Bahr berichtet, seiner persönlichen Nähe zu Brandt wegen, viel über den Menschen und lässt zugleich beide Politiker „menschlicher“ erscheinen. Das Buch erscheint zum 100. Geburtstag Willy Brandts.

Auf dem Sterbebett von seinem Sohn Lars gefragt, wer seine Freunde gewesen seien, antwortete Willy Brandt: „Egon.“ Tatsächlich war Egon Bahr jahrzehntelang Brandts engster politischer und persönlicher Weggefährte. Zum 100. Geburtstag des großen Sozialdemokraten schildert er erstmals seine ganz persönlichen Erinnerungen an Willy Brandt und die gemeinsamen Jahre. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich intimes Porträt Brandts und ein Zeitzeugnis ersten Ranges. Kennengelernt haben sie sich Ende der fünfziger Jahre. Als Regierender Bürgermeister von Berlin machte Brandt den RIAS-Journalisten Bahr zum Senatssprecher. Nach dem Mauerbau entwarfen sie gemeinsam jene Ostpolitik, die bis heute als die große Leistung der Kanzlerschaft Brandts gilt. Als engster Vertrauter folgte Bahr Willy Brandt ins Auswärtige Amt und dann ins Kanzleramt.

In Brandts Auftrag verhandelte er die Ostverträge und war im Triumph des gescheiterten Misstrauensvotums wie in der bittersten Stunde des Rücktritts an seiner Seite. Aber auch jenseits der Politik waren sie Vertraute und Freunde. Bahr schöpft aus einer Fülle unbekannter Anekdoten, die er glänzend erzählt und die uns Willy Brandt menschlich nahe bringen.

Egon Bahr, geboren 1922 in Thüringen. Nach dem Krieg als Journalist tätig, u.a. als Leiter des Bonner RIAS-Büros. 1960-66 Sprecher des Berliner Senats. Unter Willy Brandt 1966-69 Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt, 1969-1974 Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er verhandelte u.a. den Moskauer Vertrag, das Viermächteabkommen und den Grundlagenvertrag mit der DDR. Nach Brandts Rücktritt u.a. Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Bundesgeschäftsführer der SPD und Direktor des Instituts für Friedensforschung in Hamburg.

Leseprobe

Willy Brandt hat in seinen »Erinnerungen« bewusst weiße Flächen gelassen: »Das musst du erzählen.« Sein Vertrauensbeweis galt für die Ost- und Entspannungspolitik. Ich bin dem in dem Buch »Zu meiner Zeit« nachgekommen. Nun nutze ich die Gelegenheit, Geschichte und Geschichten zu reflektieren und zu schildern, wie aus Zusammenarbeit eine Freundschaft geworden ist, die mich über seinen Tod hinaus begleitet.

Das Leben lässt im Laufe der Jahre Einzelheiten verschwinden, die hierher gehören würden. Das Gedächtnis hat andererseits Schlüsselerlebnisse und Formulierungen in Momentaufnahmen bewahrt, die unverlierbar geworden sind.

Nähe erlaubt Einblicke in Persönlichstes, das nur so weit berührt werden darf, um eine Freundschaft zu illustrieren. Das verlangt der Respekt vor Lebenden und Toten…

Lesungen und Gespräche

Egon Bahr in Berlin, Hansabibliothek
10557 Berlin, 14. August 2013
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Hansabibliothek Altonaer Straße 15

Egon Bahr in Bielefeld
33602 Bielefeld, 16. Oktober 2013
Lesung und Gespräch
Zeit: 20:30 Uhr
Ort: Thalia Universitätsbuchhandlung GmbH Oberntorwall 23

Egon Bahr in Warendorf
48231 Warendorf, 17. Oktober 2013
Lesung und Gespräch
Zeit: 19:30 Uhr
Ort: Sophiensaal Kurze Kesselstr. 17

Egon Bahr in Menden
58706 Menden, 18. Oktober 2013
Lesung und Gespräch
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Buchhandlung DAUB Unnaer Str. 7

Egon Bahr in Ahrensburg
22926 Ahrensburg, 21. November 2013
Lesung und Gespräch
Zeit: 20:00 Uhr
Ort: Kulturzentrum Marstall Lübecker Str.8

Pressestimmen

„Eindringlich und authentisch“ Rheinische Post, Gregor Mayntz, 08.03.2013

„Warmherzige Erinnerungen, kleine Anekdoten und rückblickende Beurteilungen … erzählt mit viel Witz und Scharfsinn.“ Süddeutsche Zeitung, Sarah Ehrmann, 13.03.2013

„Bahrs hohes Alter ist ein Glücksfall … in schnörkelloser, frischer Sprache legt er Zeugnis ab.“ Der Tagesspiegel, Michael Naumann, 25.03.2013

„Egon Bahrs neues Buch ist genial. Es liefert faszinierende Einblicke in eine längst vergangene Zeit.“ Süddeutsche Zeitung, Hartmut Palmer, 30.04.2013

„Wer Bahr schätzt und Brandt liebt, muss dieses Buch lesen.“ Mitteldeutsche Zeitung, 09.03.2013

„…eine wunderbare Tour d’horizon durch die Bonner Republik…“ Deutschlandradio, 09.03.2013

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Egon Karl-Heinz Bahr (* 18. März 1922 in Treffurt) ist ein deutscher Politiker der SPD. Er war einer der entscheidenden Vordenker und Mitgestalter der Ostpolitik der Regierung Brandt, von 1972 bis 1974 Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Nach dem Abitur 1940 absolvierte Bahr zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Rheinmetall Borsig AG in Berlin. Von 1942 bis 1944 nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil, zuletzt als Fahnenjunker-Unteroffizier an der Luftkriegsschule VI in Kitzingen, wurde dann allerdings wegen „Einschleichens in die Wehrmacht“ als „nichtarischer“ Rüstungsarbeiter zu Rheinmetall-Borsig rückversetzt, denn er hatte (vergebens) seine jüdische Großmutter verheimlicht. Nach dem Krieg arbeitete er als Journalist bei der Berliner Zeitung, anschließend bei der Allgemeinen Zeitung (Berlin) und dem Tagesspiegel (Berlin). Von 1950 bis 1960 war er Chefkommentator und Leiter des Bonner Büros des RIAS. 1959 wurde er als Presseattaché an die Deutsche Botschaft in Ghana abgeordnet.

Egon Bahr ist seit 1956 Mitglied der SPD. Von 1960 bis 1966 war Bahr Leiter des Presse- und Informationsamtes des Landes Berlin und als solcher Sprecher des vom Regierenden Bürgermeister Willy Brandt geführten Senats. Von 1966 bis 1969 war er Botschafter und als Ministerialdirigent Leiter des Planungsstabes im Auswärtigen Amt. Nach der Bundestagswahl 1969 wurde er Staatssekretär im Bundeskanzleramt und zugleich Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. In dieser Funktion wirkte er als Unterhändler in Moskau und Ost-Berlin maßgeblich am Moskauer Vertrag, Warschauer Vertrag, Transitabkommen, sowie dem Grundlagenvertrag mit. Letztere wurden durch Bahr für die Bundesrepublik und Michael Kohl für die DDR unterzeichnet. Er wird daher bisweilen auch als „Architekt der Ostverträge“ bezeichnet und gilt als einer der wichtigsten und einflussreichsten Berater Willy Brandts im Hinblick auf die Entspannungspolitik, und wie seine filmisch festgehaltene Reaktion auf Brandts Rücktritt dokumentierte, wohl auch als dessen enger Freund. Auf Bahr geht das Motto sozialliberaler Ostpolitik „Wandel durch Annäherung“ und die „Politik der kleinen Schritte“ zurück. Von 1972 bis 1990 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er zog 1976 und 1980 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Flensburg – Schleswig und sonst stets über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Bundestag ein. Nach dem Rücktritt von Willy Brandt schied auch Bahr am 7. Mai 1974 zunächst aus der Bundesregierung aus. Am 7. Juli 1974 wurde er jedoch von Bundeskanzler Helmut Schmidt als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit erneut in die Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 1976 schied er am 14. Dezember 1976 endgültig aus der Bundesregierung aus. Von 1976 bis 1981 war er Bundesgeschäftsführer der SPD. Vor allem auf sein Betreiben hin wurde der damalige Bundesvorsitzende der Jusos, Klaus Uwe Benneter, aus der SPD ausgeschlossen. Benneter hatte zuvor geäußert, die DKP sei ein potenzieller Bündnispartner der SPD, da es sich bei ihr nur um einen „politischen Gegner“ und nicht etwa, wie bei der CDU, um einen „Klassenfeind“ handele. Außerdem hatte Benneter auch den Status der Jungsozialisten als SPD-Nachwuchsorganisation in Frage gestellt. Ab 1980 war er im Bundestag Vorsitzender des Unterausschusses für Abrüstung und Rüstungskontrolle.

1980 wurde Bahr Mitglied der „Unabhängigen Kommission für Abrüstung und Sicherheit“ unter dem Vorsitz des schwedischen Politikers Olof Palme. Die Kommission veröffentlichte ihren Bericht 1982 unter dem Titel „Common Security“. Zu den Vorschlägen der Kommission gehörte die Idee eines atomwaffenfreien Korridors in Mitteleuropa. Bahr veröffentlichte diverse Schriften über eine zukünftige deutschen Außenpolitik nach dem Ende des Kalten Krieges (siehe auch „Veröffentlichungen“ weiter unten). So vertritt Bahr u.a. die These, dass Europa und Deutschland im Rahmen einer Zivilmacht stärkeren Einfluss in der Welt suchen sollten. Von 1984 bis 1994 war er Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg. Seit 1984 ist er Honorarprofessor an der Universität Hamburg. 1991 regte Bahr eine Diskussion über die Schaffung eines „Deutschen Friedenskorps“ an.

1963 erhielt Egon Bahr das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Er wurde 1973 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2002 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Berlin verliehen. 2007 wurde Egon Bahr mit dem Willy-Brandt-Preis der norwegisch-deutschen Willy-Brandt-Stiftung, 2008 mit dem Göttinger Friedenspreis und dem Marion Dönhoff Preis geehrt. Am 6. Oktober 2008 verlieh ihm das Internationale Hochschulinstitut (IHI) Zittau für seine Verdienste um den Europäischen Einigungsprozess die Ehrendoktorwürde. Am 14. Januar 2010 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. 2011 wurde er mit dem Steiger Award und 2012 mit dem Tutzinger Löwen der evangelischen Akademie in Tutzing[8] ausgezeichnet.

Egon Bahr ist seit 1974 Mitglied des deutschen PEN.

In seiner Geburtsstadt Treffurt ist eine Straße nach ihm benannt.

Literatur

Andreas Vogtmeier: Egon Bahr und die deutsche Frage. Zur Entwicklung der sozialdemokratischen Ost- und Deutschlandpolitik vom Kriegsende bis zur Vereinigung. (Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte, Band 44), Bonn 1996.
Daniel Friedrich Sturm: ‚Metternich‘ in Moskau. Egon Bahrs Wandel durch Annäherung. In: Deutschland Archiv. Jg. 42, Nr. 5, 2009, S. 841–846.

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