Mama, es geht mir gut von Luiz Ruffato. Der erste Band des Romanzyklus Provisorische Hölle …

Sein gefeierter Großstadtroman »Es waren viele Pferde« sei nur eine »Fingerübung« gewesen, um sich auf sein eigentliches Hauptwerk vorzubereiten, sagte Luiz Ruffato in einem Interview. Von vielen sehnsüchtig erwartet, liegt er nun endlich vor: der erste Band des Romanzyklus »Vorläufige Hölle«:

Mama, es geht mir gut

Mama, es geht mir gut

Luiz Ruffato
Mama, es geht mir gut
Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler
ISBN 978-3-86241-421-5, 160 Seiten, geb., 18 Euro
Info: www.assoziation-a.de/ Ruffato_Mama.htm

Ein brutaler Familienpatriarch, der mit Axthieben und Brandrodung das Land urbar macht und seine junge Frau »an die Nabelschnur endloser Schwangerschaft« fesselt. Eine unter Schmerzen sterbende Frau. Ein Sohn, der in einem Dialog mit seiner Mutter die Vergangenheit Revue passieren lässt. Ein Mann, der sich eines Verbrechens schuldig fühlt, das er vielleicht gar nicht begangen hat. Ein verschwundener Ehemann. Ein Lehrer, der ein schreckliches Geheimnis hütet. Schonungslos beschreibt Luiz Ruffato die Härte, die Entbehrungen und die Grausamkeit des Landlebens, das die Welt italienischer Einwandererfamilien im Hinterland der Berge von Minas Gerais in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts prägt.

Es ist diese Enge und Bedrängtheit des Lebens, der die heranwachsenden Jugendlichen zu entfliehen versuchen.

Sie machen sich auf in ein vermeintlich besseres Leben, in die nächste Kleinstadt, dann nach Rio oder São Paulo. Den erdverbundenen Werten der Alten, die in einem Tal hinter der Staubstraße eine Heimat gefunden haben, steht die Faszination der Jungen für die Lichter des Fortschritts gegenüber. Die Träume sind bescheiden, Worte werden nur wenige gewechselt, die weite Welt reicht zunächst nicht viel weiter als bis zur nächstgrößeren Ansiedlung und deren Busbahnhof.

Das Buch bildet den Auftakt des Romanzyklus »Provisorische Hölle«

mit dem Ruffato den Armen, den einfachen Leuten, den Migranten eine Stimme verleiht. Er hebt sie aus ihrer literarischen Vergessenheit und lässt so die Geschichte des brasilianischen Proletariats wiederauferstehen. Innere Monologe wechseln mit poetischen Passagen, mit Szenen von dramatischer Intensität. Unprätentiös, frei von Sozialromantik und auf höchstem literarischen Niveau.

Ruffatos Saga des proletarischen Brasilien ist nüchtern, schmerzhaft und kompromisslos.

»Dieser brasilianische Autor versteht sich auf die Kunst, nur seinem eigenen Kopf zu folgen und die Kühnheit des Erzählens bis ins Extrem zu treiben. Er wirft die Wörter durcheinander, spuckt die Sätze aus, spielt mit der Interpunktion, um ins Innerste des menschlichen Wahns vorzudringen« (Delphine Peras, Lire).

Luiz Ruffato wird Eröffnungsredner und literarischer Sprecher der brasilianischen Delegation auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt sein und anschließend sein Werk auf einer Lesereise in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellen, siehe: www.assoziation-a.de/lesen/Ruffato.htm

Weitere Bücher des Autors bei Assoziation A

Ruffato, Luiz: Es waren viele Pferde
Ruffato, Luiz (Hg.): Der schwarze Sohn Gottes

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