Die Alchemie der Nähe – Roman von Gaia Coltorti: Eine moderne Version von Romeo und Julia – unter Geschwistern.

Roman von Gaia Coltorti: Eine moderne Version von Romeo und Julia – unter Geschwistern
Die Alchemie der Nähe erscheint am 30. September 2013

Gaia Coltorti
DIE ALCHEMIE DER NÄHE
Roman
Originaltitel: Le affinita‘ alchemiche, Mondadori
Aus dem Italienischen von Christiane Burkhardt
368 Seiten
Geb., ca. € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis
ISBN 978-3-89667-507-1
Verlagsinformation: Blessing

Die Alchemie der Nähe

Die Alchemie der Nähe

Gaia Coltorti, 1993 in Jesi bei Ancona geboren, schrieb diesen Roman mit nur 17 Jahren. Erstmals las sie bei dem literarischen Wettbewerb Pagine nuove öffentlich daraus vor und gewann den Preis. Der Roman erschien im Januar 2013 bei Mondadori.

Romeo und Julia heißen heute Giovanni und Selvaggia

Sie verstoßen gegen das vielleicht letzte Tabu unserer Zeit: Geschwisterliebe. Denn sie sind Zwillinge, die einander bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr kaum gesehen haben, da ihre Eltern sich früh trennten. Als die beiden es noch einmal miteinander versuchen, leben Giovanni und Selvaggia plötzlich unter einem Dach und entdecken Gefühle füreinander, die sie kaum mehr zügeln können. Ihr Leben wird zu einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Gaia Coltori erzählt mit großer Intensität von der ersten Liebe mit all ihren Verzückungen, Gefühlstaumeln, Enttäuschungen und Dramen, wie es wohl nur eine solch junge Autorin kann. Das Auf und Ab der Liebesgefühle übt eine Sogwirkung aus und macht den Leser in gewisser Weise zum Voyeur, aber zum Voyeur des Seelenlebens zweier junger Menschen. Gaia Coltorti missbraucht das Inzestthema nicht als Tabuschocker, sondern sie erzählt davon eindringlich mit angemessener Ernsthaftigkeit und beleuchtet es aus allen Blickwinkeln.

Gespräch mit Gaia Coltorti über Ihren Roman
Die Alchemie der Nähe

Wann und wie ist Ihnen der erste Einfall für „Die Alchemie der Nähe“ gekommen?

Das war vor einigen Jahren, bevor ich zu studieren anfing. Ich merkte, dass in meiner Umgebung bei immer mehr Jugendlichen, aber auch Erwachsenen die Beziehungen scheiterten. Vor allem aber fiel mir die Tendenz auf, nach der Auflösung der Bindung nach dem Schuldigen zu suchen. Diese Beobachtungen beschäftigten mich so stark, dass ich versuchte, mich den Widersprüchlichkeiten und der Ambivalenz von Liebesbeziehungen mit den Erkenntnismitteln der Literatur zu nähern. Um dann am Ende auch ein Buch über die Frage der Schuld zu schreiben.

Fühlten Sie sich nicht unsicher, gleich in ihrem ersten Roman ein so heikles Sujet wie die Geschwisterliebe zu behandeln?

Am Anfang habe ich das Buch nur für mich selbst geschrieben, es bleib in der Schublade liegen, und ich dachte gar nicht an mögliche Leser oder Kritiker. Das Inzestthema ist ja in Wahrheit schon sehr lange in der europäischen Literatur präsent, schon seit 1663 in London John Fords Theaterstück „This pitty shees a
whore“ uraufgeführt wurde. Daher hatte ich keine Angst vor einem Skandal, zumal ich nicht einen bewusst provokativen Ton anschlage. In der Literatur darf man über alles sprechen, sofern man nur die richtigen Worte findet.

Warum haben Sie den Roman in der zweiten Person geschrieben, also in der Du-Form?

Zuerst schrieb ich ihn in der ersten Person, aus der Sicht von Giovanni, aber das schien mir auf eine zu sentimentale Sicht hinauszulaufen, die der Tragik dieser Geschichte nicht gerecht wurde. Die zweite Person hingegen versetzt die Leser in eine gesunde Distanz zu den Protagonisten. In der Hinsicht fand ich den Roman „Ein starker Abgang“ von Jay MacInerny (als Film: „Die grellen Lichter der Großstadt“) anregend.

Ist diese Beziehung zwischen Selvaggia und Giovanni eine Art moralisches Versagen? Oder Schuld der Eltern?

Eine schwierige Frage – auf die das Buch auch keine eindeutigen Antworten gibt. Im Alltag fällt mir auf, dass die Menschen immer wieder für alles Schuldige suchen: für den Ausbruch einer Krankheit, für jede Ungerechtigkeit, auch für bloße Zufälle. Mir selbst ergeht das auch so, wenn etwas schief gegangen ist. Aber wenn man über diese Frage, die sich Giovanni und Selvaggia am Ende ja auch stellen, nicht hinausgelangt, zu anderen Sichtweisen, dann bleibt man leicht in Wut oder Verzweiflung stecken.

Enthält die Darstellung der Eltern in diesem Roman nicht auch eine Kritik am modernen Bürgertum, das dem Wohlstand oft mehr Bedeutung beimisst als der Erziehung ihrer Kinder?

Eine solche Kritik zu formulieren war zunächst einmal nicht meine Absicht – es wäre ja auch nichts Neues gewesen, wenn man bedenkt, wie stark das Bürgertum in Romanen oder in den bildenden Künsten seit dem 19. Jahrhundert aufs Korn genommen wird. In „Die Alchemie der Nähe“ scheinen die Eltern in einer Art zweite Flitterwochen versunken – nachdem sie sich ja so viele Jahre aus dem Weg gegangen waren. Dadurch werden sie vielleicht zu Symbolfiguren des Mangels an klarem Verstand, der wohl in unserer aller Alltag herrscht. Vor allem der Vater ist physisch und psychisch für die Kinder oft abwesend, zu beschäftigt, um sich mit ihnen ernsthaft zu befassen, und damit steht er vielleicht stellvertretend für das Fehlen von echten Vaterfiguren, das man in den letzten Jahren spüren konnte.
7. Juni 2013

„Ein glühendes literarisches Zeugnis tragischer Liebe.“ La Stampa

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