Adorno in Neapel: Martin Mittelmeiers Einladung, Adornos Philosophie neu zu entdecken

Adorno in Neapel: Martin Mittelmeiers Einladung, Adornos Philosophie neu zu entdecken.

»Adorno in Neapel«, das ist eine Einladung, den berühmten, aber auch als Theorie-Ikone entschärften Adorno gänzlich neu zu entdecken. Seiner so hermetisch, streng und schwer scheinenden Philosophie wird der Ort zurückgegeben, von dem sie herkommt: vom orientalisch anmutenden Alltagsspektakel, vom lockeren Tuffstein, vom Rauschen des Wassers an den Sirenenfelsen, aber auch vom düsteren, vorweltlichen Positano und den unheimlichen Wassermonstern aus dem berühmten Neapolitaner Aquarium.

Adorno in Neapel

Adorno in Neapel

MARTIN MITTELMEIER
Adorno in Neapel
Wie sich eine Sehnsuchtslandschaft in Philosophie verwandelt
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 304 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-8275-0031-1
€ 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 32,90* (* empf. VK-Preis)
Verlagsinformation: Siedler
Erscheinungstermin: 26. August 2013
Weitere Ausgabeart: » eBook

Theodor W. Adornos Italienreise in den 20er Jahren stellte die Weichen für sein späteres, Epoche machendes Denken, so Martin Mittelmeier. Dem Literaturwissenschaftler gelingt in seinem Buch »Adorno in Neapel« ein völlig neuer Zugang zu Adornos Philosophie. Zwischen der schroffen Landschaft rund um Neapel und dem Theoriegebäude Adornos gibt es, so Mittelmeiers These, einen für das Verständnis seines Denkens überaus erhellenden Zusammenhang. Eine Landschaft verwandelt sich in Philosophie. »Adorno in Neapel.

In den 1920er Jahren wird der Golf von Neapel von einigen Geistesgrößen bevölkert,

die sich allesamt an sensiblen Momenten ihrer intellektuellen Biographie befinden: Benjamin, Adorno, Kracauer und Sohn-Rethel. Der jüngste unter ihnen, Theodor W. Adorno, verwandelt Neapel auf die eigenwilligste Art und Weise: Er macht daraus eine Theorie, in deren Zentrum eine Katastrophe steht, von der diese Sehnsuchtslandschaft noch nichts wissen kann.

Bizarre Tuffsteingebilde, buntes Menschengewimmel, Meer und Hafen, ein eigentümliches Aquarium – all das nimmt Adorno 1925 auf seiner Reise nach Capri, Positano und Neapel in sich auf und verwandelt es in eines der erfolgreichsten und folgenreichsten Werke der jüngeren Philosophiegeschichte. So hat man von Philosophie noch nicht gelesen, schon gar nicht von der Adornos.

Leseprobe
Prolog auf dem Vesuv

Tourist zu sein ist ein leidiges Geschäft. Als Tourist möchte man etwas Aufregendes sehen, etwas neues, das Besondere und Wahrhaftige der bereisten Gegend. Aber wie soll man in der Kürze der Zeit etwas vom wirklichen leben dort erhaschen, man ist doch nur schneller Gast? Und: es waren schon so viele vor einem da. Aber haben die nicht wenigstens das Feld bereitet? Und wenn man nun schon einmal hier ist, dann wäre es doch schade, ja ein Versäumnis, man hätte nicht gesehen, was die vielen anderen für sehenswürdig befunden haben. Was, Sie waren in Paris und nicht auf dem Eiffelturm? Aber wann war der gemeine Pariser zuletzt auf dem Eiffelturm? Was, Sie waren in Neapel und nicht auf dem Vesuv?
Als eine der reizvollsten Landschaften Europas ist der Golf von Neapel seit jeher ein überaus beliebtes Reiseziel. in der Mitte des Halbkreises, der im Westen von den Inseln Ischia und Procida, im Osten von der Sorrentinischen Halbinsel begrenzt wird, thront der Vesuv – der Aura zerstörerischer Gewalt, die von ihm ausgeht, zum Trotz ist er am reizvollen des Golfes maßgeblich beteiligt. das lockere, mineralienhaltige Lavagestein, mit dem er sich umgibt, macht den Boden zu einem ungewöhnlich fruchtbaren,(1) auch deswegen suchen die Menschen die nähe zum Vulkan. das weiter weg nach Westen geschleuderte Magma wird, wenn es erkaltet, durch die entweichenden Gase porös und bildet den hellen, luftigen Tuffstein, der der Gegend ihr mediterranes Aussehen verleiht; er gibt »dem sanften, heiteren, von einer beinahe ländlichen Melancholie übergossenen Ufer die Farbe des Honigs«,(2) wie der neapolitanische Schriftsteller Raffaele la Capria über seine Heimat schreibt.

Martin Mittelmeier, geboren 1971, zählt zu den profiliertesten Lektoren für zeitgenössische Literatur in Deutschland. Nach elf Jahren beim Luchterhand Verlag in München leitet er seit 2012 das Programm des Eichborn Verlags in Köln. Der promovierte Komparatist hat mehrere eigene Arbeiten zur Philologie und Philosophie veröffentlicht, unter anderem gab er »Ungeschriebene Werke. Wozu Goethe, Flaubert, Jandl und all die anderen nicht gekommen sind« (München 2006) heraus. Zuletzt erschien ein (gemeinsam mit Philipp Felsch) kommentierter Briefwechsel Adornos mit seinen Lesern (in Kultur & Gespenster, 2012).

Siehe auch: RANDOMHOUSE.DE: SACHBUCHEMPFEHLUNGEN IM AUGUST 2013. MARIETTA SLOMKA: KANZLER, KRISE, KAPITAL. JÜRGEN BORCHERT: SOZIALSTAATS-DÄMMERUNG. WILHELM SCHLÖTTERER: WAHN UND WILLKÜR. CHRISTIAN NÜRNBERGER: DIES LAND IST DEIN LAND – HOL ES DIR ZURÜCK. FRIEDHELM SCHWARZ: IN MEINEM HAUS WOHNEN LAUTER IRRE! ROMAN MARIA KOIDL: BLENDER. JAN M. PISKORSKI: DIE VERJAGTEN. MARTIN MITTELMEIER: ADORNO IN NEAPEL

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