Jörg Kachelmann: Recht und Gerechtigkeit … der Fall Kachelmann war einer der spektakulärsten und umstrittensten Prozesse in Deutschland und geht in die nächste Runde

Jörg Andreas Kachelmann (* 15. Juli 1958 in Lörrach; heimatberechtigt in Schaffhausen) ist ein Schweizer Moderator, Sachbuchautor, Journalist und Unternehmer mit Schwerpunkt Meteorologie.

Kachelmann präsentierte Wettervorhersagen für die ARD, zunächst in Südwest 3 und seit 1994 auch in der Sendung Das Wetter im Ersten für Das Erste sowie in verschiedenen Radiostationen. Lässige Kleidung und ein etwas flapsiger Stil wurden dabei seine Markenzeichen. Weiter moderierte er 1996 die Sendung Vorsicht Blöff, war von 1999 bis 2004 und von 2007 bis 2009 Moderator der Talkshow Riverboat und versuchte sich 1998 an der Quiz-Show Einer wird gewinnen. Von 2002 bis 2008 war er Gastgeber seiner eigenen Talkshow im MDR mit dem Titel Kachelmanns Spätausgabe.

Im November 2010, während des Gerichtsverfahrens gegen ihn, kündigte Kachelmann an, nicht mehr im Fernsehen zu moderieren; er wolle sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Seit Januar 2011 moderiert er wieder teilweise Wettervorhersagen für den lokalen Schweizer Hörfunksender Radio Basel. Seit dem 4. März 2011 präsentiert er in dem Aschaffenburger Privatradio Primavera an jedem Freitag und Samstag das Wochenendwetter.

Seit Januar 2012 präsentiert Kachelmann freitags die Wettervorhersage beim Regionalfernsehsender main.tv, der wie das Privatradio Primavera im Funkhaus Aschaffenburg produziert wird.

Er betreibt einen Kanal auf der Videoplattform YouTube. Dort stellt er seit dem 16. Juli 2011 regelmäßig das kommende Wetter für Deutschland, die Schweiz und die Umgebung vor und erklärt verschiedene Klimasituationen.

Am 20. März 2010 wurde Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Frau,

zu der er eine intime Beziehung unterhalten hatte, festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhob am 19. Mai 2010 beim Landgericht Mannheim Anklage gegen Kachelmann wegen des Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Im Juni wurde ein Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls vom Landgericht Mannheim zurückgewiesen. Einer nachfolgenden Haftbeschwerde gab das Oberlandesgericht Karlsruhe am 29. Juli 2010 jedoch statt, da kein dringender Tatverdacht mehr bestehe.

Im Verlauf des Prozesses tauschte Kachelmann seinen bisherigen Kölner Anwalt Reinhard Birkenstock gegen den Hamburger Verteidiger Johann Schwenn aus. Am 31. Mai 2011 endete das erstinstanzliche Verfahren vor dem Landgericht Mannheim mit einem Freispruch Kachelmanns. Gegen diese Entscheidung legten die Staatsanwaltschaft und die Nebenklägerin zunächst Revision ein, die sie am 7. Oktober 2011 jedoch zurücknahmen. Der Freispruch vom 31. Mai 2011 ist damit rechtskräftig. Am 28. Oktober 2011 wurde ein Urteil gegen die Ex-Freundin von Kachelmann bestätigt, welches ihr untersagt, die Vorwürfe öffentlich zu wiederholen. Claudia D. ging dagegen vor dem Oberlandesgericht Köln in Berufung; damit scheiterte sie am 6. November 2012.

Im Juni 2012 reichte Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte eine Schadensersatzklage ein. Sie soll ihm Kosten in Höhe von 13.352,69 Euro für Gutachter erstatten, die im Prozess angefallen waren. Ende Oktober 2012 begann der Zivilprozess. Eine gütliche Einigung scheiterte vorerst.

Im Oktober 2012 trat Kachelmann gemeinsam mit seiner Frau Miriam in der ARD-Sendung Günther Jauch auf.

Beide bezogen Stellung zum Verhalten der Justiz und der Medien im Verlauf des Prozesses gegen ihn. Der Begriff „Opfer-Abo“, den Kachelmann im Laufe des Jahres 2012 unter anderem im Spiegel verwendete, wurde 2013 in Deutschland zum Unwort des Jahres gewählt. Das Ehepaar Kachelmann verteidigte die Formulierung später.

Recht und Gerechtigkeit

Recht und Gerechtigkeit

Am 8. Oktober 2012 erschien das Buch

Recht und Gerechtigkeit.

Ein Märchen aus der Provinz, das Kachelmann mit seiner Frau geschrieben hat. Das Buch arbeitet die Untersuchungshaft und den Prozess aus deren Sicht auf. Am 10. Oktober 2012 erwirkte Claudia D. per einstweiliger Verfügung, dass der Verlag das Buch vorläufig nicht weiter verbreiten dürfe, solange darin ihr voller Name genannt werde. Am 26. Oktober 2012 hob das Landgericht Mannheim die einstweilige Verfügung wieder auf.

Literatur

Thomas Knellwolf: Die Akte Kachelmann – Anatomie eines Skandals. Orell Füssli, Zürich 2011, ISBN 978-3-280-05443-7. (Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz: Leseprobe E-Book)

Der Justizfall, der zum Medienfall wurde

Buchzitat: Jörg Kachelmann wurde am 31. Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Nach wie vor jedoch wirft sein Fall viele Fragen auf. Wie geht es einem, der zu Unrecht als Vergewaltiger beschuldigt wird? Den die Ermittlungsbehörden mit allen Mitteln zum Täter machen wollen? Der 132 Tage im Gefängnis sitzt? Der sehr schnell zum Gegenstand einer öffentlichen Vorverurteilung wird? – Zum ersten Mal erzählen Jörg Kachelmann und seine Frau Miriam die Geschichte, die hinter dem »Fall Kachelmann« steckt. Und es wird klar, welche Rolle Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Medien dabei spielen.

Was bleibt nach einem höchst fragwürdigen Prozess und einer beispiellosen Medienberichterstattung noch von Recht und Gerechtigkeit? Der »Fall Kachelmann« ist in dieser Hinsicht leider keine Ausnahme – mit dem Unterschied, dass viele Opfer von Falschbeschuldigungen in erster Instanz oft keinen Freispruch bekommen. Jörg und Miriam Kachelmann haben sich entschlossen, aufzudecken, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, und geben erschütternde Einblicke in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Recht und Unrecht nicht mehr existieren. In ihrem Buch schildern sie detailliert die Ereignisse vom Moment der Verhaftung bis zur Urteilsverkündung und der Zeit danach, enthüllen Fehler und Ungereimtheiten und legen die unheilvolle Mechanik bloß, die hinter dem Prozess gegen den Meteorologen steckt – und die offenbar nicht nur hier wirksam wird.

Die Akte Kachelmann

Die Akte Kachelmann

Die Akte Kachelmann – Anatomie eines Skandals von Thomas Knellwolf
Orell Fuessli Verlag
Buchzitat: Der Kachelmann-Prozess beschäftigt die Öffentlichkeit wie kein anderer Straffall der vergangenen Jahrzehnte. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik löste ein Vergewaltigungsvorwurf ein derart intensives Verfahren aus. Kaum je stellten sich führende Medien während der Untersuchungen so einseitig auf die Seite des Tatverdächtigen oder des mutmaßlichen Opfers. Das Urteil ist gefallen. Doch was geschah tatsächlich in der fraglichen Februarnacht 2010? Gerichtsreporter Thomas Knellwolf verfolgte den Werdegang Jörg Kachelmanns über Jahre und begleitete den Prozess Tag für Tag. Anhand von unzähligen Gesprächen mit Prozessbeteiligten, Geschäftspartnern und Bekannten zeichnet er den spektakulären Fall und das Leben des Schweizer Wettermoderators im Rampenlicht der Öffentlichkeit nach.

Die Akte Kachelmann – Anatomie eines Skandals von Thomas Knellwolf 

Der Fall Kachelmann war einer der spektakulärsten und umstrittensten Prozesse in Deutschland.

Wikinews berichtete direkt aus dem Gerichtssaal.

Alle Wikinews-Artikel zum Fall Kachelmann:

Jörg Kachelmann wegen Vergewaltigungsvorwurf in Untersuchungshaft
Fall Kachelmann: Haftbefehl aufgehoben
Kachelmann-Prozess am 3. Februar von Unruhe geprägt
Kachelmann-Prozess: Staatsanwalt fordert vier Jahre und drei Monate Haft
Freispruch für Jörg Kachelmann im Vergewaltigungsprozess
Staatsanwaltschaft Mannheim will im Fall Kachelmann Revision gegen das Urteil einlegen
Landgericht Köln: Kachelmann-Ex-Geliebte darf Vorwürfe nicht mehr öffentlich wiederholen
Kachelmann: Freispruch wasserdicht, berufliche Aussichten unklar

Noch wagt niemand eine Prognose, was der Zivilprozess im undurchsichtigen Fall Kachelmann als Ergebnis haben wird. Fest steht aber: Die Beweislast liegt hier bei Kachelmann. 

Weblinks

Commons: Jörg Kachelmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews: Kachelmann – in den Nachrichten
Jörg Kachelmann in der Internet Movie Database (englisch)
Kachelmannwetter (meteomedia)