Überlebensräume – Bunker in Bayern: Bunker Anfang der 1940er Jahre schossen sie überall aus dem Boden, Monstren aus Stahlbeton, verkleidet mit Ziegel, Putz und manchmal auch mit Spitzdach – auch in Bayern

Zeit für Bayern – aus Altbayern und Schwaben
Überlebensräume – Bunker in Bayern

Bunker Anfang der 1940er Jahre schossen sie überall in Bayern aus dem Boden, Monstren aus Stahlbeton, verkleidet mit Ziegel, Putz und manchmal auch mit Spitzdach. Schutz für die Bevölkerung vor den Bombenangriffen sollten sie sein, dabei aber trotzdem nicht allzu sehr nach Krieg aussehen. Nach dem Untergang des Jahres 1945 blieben sie stehen. Und sie waren oft das einzige, was noch stand inmitten einer Trümmerlandschaft. Der Krieg war aus, doch auch nach 1945 wurden weiterhin Bunker in Bayern gebaut.

Für den nächsten großen Krieg, den Atomkrieg

Ziegel, Putz und Spitzdach waren nun nicht mehr nötig, die meterdicken Betonwände bekam keiner mehr zu sehen, denn sie lagen tief unter der Erde. Oft wussten nur die Eingeweihten, dass sich ein U-Bahnhof in einen Atombunker verwandeln ließ oder die Tiefgarage unter dem Gersthofener Rathaus. Sie ist der jüngste bayerische Atombunker. Fertig gestellt im Jahr 1993 – da war der Kalte Krieg schon längst zu Ende.

Was lässt sich heute mit den Bunkern anfangen?

Die Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg stehen mitten in der Stadt. Was liegt also näher, als sie zum Wohnen zu nutzen. Erst werden Fenster durch die massive Betonhülle gestemmt, Geschossdecken eingezogen, dann eine Dachterrasse aufgesetzt. Wirklich wohnlich ist der Bunker doch wohl erst, wenn er nicht mehr nach Bunker aussieht. Einen schweren Stand haben dagegen die unterirdischen Atombunker. Zum Wohnen denkbar schlecht geeignet, sind sie vielfach verwaist. Es sind riesige unterirdische Räume, in denen trotzdem nur höchsten zwei Prozent der Bevölkerung Zuflucht gefunden hätten. Mit ungewissem Ausgang. Ob es hinter den meterdicken Stahltüren nach dem Atomkrieg noch eine Welt gegeben hätte? Keiner konnte es sagen. Doch öffentliche Schutzräume waren nicht für jedermanns Geschmack.

Wer dem atomaren Angriff lieber im trauten Familienkreis trotzen wollte, der konnte sich seinen Mini-Bunker auch in den eigenen Keller oder den Garten bauen. Gefördert wurde der Bau dieser Privatbunker mit öffentlichen Zuschüssen. Nicht wenige griffen zu. Einmal gebaut, erwies sich der Bunker aber häufig als Klotz am Bein. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges unterlagen die Mini-Bunker der Zivilschutzbindung und mussten betriebsfähig gehalten werden. Heiße Sauna statt Kalter Krieg – das ging nicht so ohne Weiteres.

NS-Dokumentationszentrum und Bunkeranlage am Obersalzberg bei Berchtesgaden faszinieren

Sie lassen den wohligen Schauer des Außergewöhnlichen, des nie zuvor Erlebten über den Rücken des zahlreichen Publikums laufen. Ein echter Besuchermagnet sind etwa die verwinkelten Gänge im raffinierten Bunkersystem unter der Nürnberger Altstadt. Dort, im NS-Kunstbunker, wo 1945 die Nürnberger Kunstschätze den Untergang der Frankenmetropole überstanden haben, da wo die Erinnerung an Nürnbergs große Geschichte nicht ausgelöscht wurde, entdecken jährlich Tausende Besucher eine unzerstörte Untergrundarchitektur. Ob über oder unter der Erde – Die „Zeit für Bayern“ zeigt, wie vielfältig Bayern mit seinen Bunkern heute umgeht.

Quelle: KULTUR-Newsletter – Bayerischer Rundfunk
Freitag, 1.11. | 12.05 Uhr | Bayern 2

Buchperlen Buchempfehlungen

Befestigungsanlagen und Bunker im Dritten Reich

Befestigungsanlagen und Bunker im Dritten Reich

Befestigungsanlagen und Bunker im Dritten Reich von Robert M. Jurga von Edition Lempertz
Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
Verlag: Edition Lempertz
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die meisten deutschen Fortifikationen demontiert und vernichtet. Die wenigen Reste, die bis heute erhalten geblieben sind, sind mittlerweile auch durch den Einfluss der Natur schwer beschädigt oder vollkommen zerstört. Dieses Buch rekonstruiert durch detailreiche architektonische Zeichnungen und räumliche Darstellungen sämtliche Befestigungsanlagen und Bunker der Wehrmacht während des zweiten Weltkriegs. Die Geschichte der Anlagen, ihre militärische Bedeutung und nicht zuletzt ihre Funktionsweise wird durch wissenschaftlich fundierte Texte dargestellt. Der außergewöhnliche und besondere Schwerpunkt liegt jedoch in der bildlichen Darstellung der Anlagen. Anhand von zahlreichen farbigen Zeichnungen wird Struktur, Aufbau und Innenleben der Befestigungen erlebbar gemacht. Faszinierende Bilder und nachkonstruierte Baupläne führen in Innerste der Gebäudesysteme und Wehranlagen.

Bunker aus dem Kalten Krieg: Wie Westdeutschland den 3. Weltkrieg überleben wollte von Christoph Lubbe
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Motorbuch
Als sich der Kalte Krieg zwischen den Machtblöcken verfestigte, wurden die Forderungen nach einem umfassenden Zivilschutz in Westdeutschland drängender. Das führte zu einer zum Teil noch heute im Verborgenen existierenden Infrastruktur, zu Bunkern und Schutzbauten, über die nur wenig bekannt ist. Diese Dokumentation befasst sich umfassend mit den damaligen Strukturen und Maßnahmen der Zivilen Verteidigung und des Zivilschutzes. Christoph Lubbes Buch widmet sich vor allem den Schutzbauten und Strukturen von Land, Bezirksregierungen, Städten und Kreisen – mit Bunkerfotos, einst geheimen Plänen und Akten, die ein spannendes und weitgehend unbekanntes Stück westdeutscher Nachkriegsgeschichte enthüllen.

U-Bahn, Bunker, Kalter Krieg

U-Bahn, Bunker, Kalter Krieg

U-Bahn, Bunker, Kalter Krieg von Henry Gidom und Robin D. Williams von Berliner Unterwelten
Broschiert: 40 Seiten
Verlag: Berliner Unterwelten
Die Broschüre vermittelt anhand von Fotografien, Grafiken und Zitaten die Vorbereitungen auf einen möglichen atomaren Konflikt im Westteil Berlins, wo Bunkeranlagen für den Zivilschutz reaktiviert und neue Schutzanlagen errichtet wurden. Die Zivilschutzanlage Blochplatz – ein im Kalten Krieg reaktivierter Schutzbau aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges – sollte im Ernstfall 1.318 Personen für 10, maximal 48 Stunden Schutz bieten. Der benachbarte U-Bahnhof Pankstraße bietet einen Einblick in die Funktionsweise eines modernen Atomschutzbunkers . Diese 1977 bei der Verlängerung der U-Bahnlinie 8 fertig gestellte Mehrzweckanlage hätte 3.339 Menschen Schutz für zwei Wochen bieten sollen. Sie ist damit die viertgrößte Zivilschutzanlage Berlins, die immer noch voll ausgestattet und funktionsfähig ist und sogar über ein unterirdisches Wasserwerk verfügt, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen.

Bunker, Basen und Relikte

Bunker, Basen und Relikte

Bunker, Basen und Relikte: Fakten und Legenden über Atombunker, unterirdische Anlagen und Anlagen des kalten Krieges von Harald Fäth
Gebundene Ausgabe: 180 Seiten
Verlag: Fischer (J. K.)
Jahrzehntelang war Deutschland potentieller Initialzünder eines weltweiten thermonuklearen Krieges. Der wahrscheinlichste Weg angreifender Ost- Truppen führte durch Hessen, durch das sogenannte Fulda-Gap. Vor nicht einmal 25 Jahren befand sich Deutschland in einer Art kollektiver Atomangst. Nicht nur die Nachrüstung, auch die Friedensbewegung schürte die Angst unter der Bevölkerung. Angebliche Giftgasdepots, Kilometerlange geheime unterirdische US Basen oder die „Sprengschächte“, in denen angeblich Atomminen gezündet werden sollten. In der Nachbetrachtung hat das ganze schon fast komische Züge: Da zogen Heerscharen von Demonstranten mit Transparenten „kein Giftgas“ zu einem US Depot in dem Zelte und anderes Equipment lagerten… während das „echte“ Sonderwaffendepot nur wenige Kilometer entfernt keinerlei Beachtung fand. Allerdings: Wahr ist das quer durch die Republik Bunker gebaut wurden. Ob neu in Tiefgaragen oder als umgebaute Hochbunker des II Weltkriegs. Nato Depots wuchsen fast über Nacht in Wäldern empor, die Bundeswehr legte an weit über 4000 Stellen vorbereitete „Sperren“, meist in Form von Sprengschächten an. Dieses Buch will nicht mit Zahlen erschlagen, nicht mit Bunkerwandstärken und Detonationswerten aufwarten sondern sieht sich vielmehr als reich bebildertes Lesebuch mit einem Überblick über das, was es damals gab… und oft heute noch gibt und erhalten ist. Es will mit einigen der Gerüchte aufräumen, die sich oft sogar noch bis ins Heute erhalten haben. Und auch, wenn man sich heute bei einigen der vorgestellten Legenden nicht vorstellen kann, das dies wirklich jemals ein Mensch geglaubt hat… so war es. Wie mit den „Wasserwerken“ wo die „Atome reinkommen“…

Bücher und Bildbände zum Thema Bunker und Befestigungsanlagen

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