Dragqueen Conchita Wurst und Wer moderiert wo den nächsten Song Contest? Rise Like a Phoenix, Travestiekünstlers Thomas Neuwirth

Conchita Wurst ist das Pseudonym des österreichischen Sängers und Travestiekünstlers Thomas „Tom“ Neuwirth (* 6. November 1988 in Gmunden, Oberösterreich). Die Dragqueen wurde international mit dem Lied Rise Like a Phoenix (bei Amazon kaufen oder Bewertungen lesen) als Gewinnerin des 59. Eurovision Song Contests 2014 (Musikauswahl zum 59. Eurovision Song Contests 2014 bei Amazon) in Kopenhagen bekannt.

Rise Like A Phoenix von Conchita Wurst

Rise Like A Phoenix von Conchita Wurst

Leben und Werk

2006 nahm Tom Neuwirth an der dritten Staffel der TV-Castingshow Starmania des ORFs teil, wo er Zweiter hinter Nadine Beiler wurde. 2007 gründete er zusammen mit Falco De Jong Luneau, Johannes „Johnny“ K. Palmer und Martin Zerza die Boyband jetzt anders!, die sich aber noch im selben Jahr wieder auflöste. 2011 schloss er eine Ausbildung an der Grazer Modeschule ab.

Die Figur Conchita Wurst

Seit 2011 tritt Tom Neuwirth in der Öffentlichkeit als Dragqueen Conchita Wurst in Erscheinung. Dabei handelt es sich um eine Diva mit Vollbart. Deren fiktive Biografie beginnt mit der Geburt „in den Bergen von Kolumbien“ und führt über eine Kindheit in Deutschland zum Beginn der Karriere als Sängerin in Österreich. Ihre Schaffung erklärt Neuwirth als Reaktion und Statement gegen Diskriminierungen, die er in seiner Jugend aufgrund seiner Homosexualität erfuhr. Sein Auftreten als Conchita solle auch dazu führen, dass „es Jugendliche leichter haben – und zwar egal, aus welchem Grund sie anders als die anderen sind“. Den Namen Conchita bekam er von einer Freundin aus Kuba und behielt ihn bei. Den Nachnamen wählte er, „weil es eben ‚wurst‘ ist, woher man kommt und wie man aussieht“.

Wiederholt erklärte er in Interviews auf Fragen nach seinem Geschlecht, dass seine Darstellung der Conchita Wurst nichts mit Transsexualität zu tun habe, sie einfach „eine Kunstfigur, Tom Neuwirths Alter Ego“ sei („was wir Kunstfiguren machen, ist wie es der Name schon sagt, Kunst. […] aber am Abend sind wir immer noch gerne in dem Körper, in dem wir geboren wurden“).

Gerade der Bart unterscheidet Conchita Wurst von anderen Travestie-Figuren, bei denen es, wie Doris Knecht beobachtet, „darum geht, alle vermeintlich männlichen durch sogenannte weibliche Attribute zu ersetzen. Conchita macht das nicht. Sie ergänzt. Sie ist eine Mann-Frau und ein Frau-Mann. In ihr vermischen sich die Geschlechter, verwischen die Unterschiede.“ Für Neuwirth fungiert der Bart als gezielte Provokation:

„Vor allem der Bart ist ein Mittel für mich, zu polarisieren, auf mich aufmerksam zu machen. Die Welt reagiert auf eine Frau mit Haaren im Gesicht. Was ich mir wünsche, wäre, dass sich die Leute ausgehend von meiner ungewöhnlichen Erscheinung Gedanken machen – über sexuelle Orientierung, aber genauso über das Anderssein an sich. Manchmal muss man den Menschen einfach und plakativ klarmachen, worum es geht.“

Manche Kommentatoren verglichen in ihren Betrachtungen des Sieges von Conchita Wurst beim ESC und dessen Wirkung das Erscheinungsbild mit Jesus-Darstellungen im romantisierenden Stil der Nazarener und Präraffaeliten.

Erstmals in der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Neuwirth in dieser Rolle als Teilnehmer an der ORF-Talentshow Die große Chance im Jahr 2011, in der er in der Finalrunde den sechsten Platz belegte. Als Conchita Wurst nahm er auch an der österreichischen Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest 2012 (Österreich rockt den Song Contest) teil und erreichte im Finale mit dem Song That’s What I Am mit 49 Prozent der Stimmen den zweiten Platz hinter den Trackshittaz mit 51 Prozent. Weitere Fernsehauftritte folgten 2013, als Conchita Wurst in der Sendung Die härtesten Jobs Österreichs auf ORF eins zu sehen war, wo sie in der Fischverarbeitung arbeitete, und im Sommer desselben Jahres in der Sendung Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika bei RTL, in der sie den siebten Platz erreichte.

Licht Ins Dunkel 2013

Licht Ins Dunkel 2013

2013 war sie mit dem Titel That’s What I Am zusammen mit einer Reihe weiterer österreichischer Musiker auf dem Benefiz-Album Licht ins Dunkel 2013 (Album Licht ins Dunkel mit Conchita Wurst bei Amazon kaufen) und bei einem Konzert für die ORF-Weihnachtsaktion Licht ins Dunkel vertreten.

Teilnahme am ESC 2014

Im September 2013 gab der ORF bekannt, Conchita Wurst als Österreichs Beitrag zum Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen zu entsenden. In österreichischen Medien wurde die Entscheidung, keine Vorausscheidung zu veranstalten, mitunter als Ausdruck von Sparzwängen im ORF gedeutet. Die Entscheidung traf die Programmintendantin Kathrin Zechner aus einem knappen Dutzend Vorschlägen, hausintern soll das Potential der Kandidatin bis zuletzt massiv unterschätzt worden sein. Mitentscheidend für die Auswahl war auch der Manager der Künstlerin, René Berto.

Der Song Rise Like a Phoenix wurde erstmals am 18. März 2014 auf Ö3 präsentiert.

Sämtliche Plattenfirmen Österreichs lehnten die Veröffentlichung des Songs ab, so dass der ORF sich gezwungen sah, den Song selbst zu veröffentlichen. Auf Facebook wurde eine Gruppe „Nein zu Conchita Wurst beim Song Contest“ gegründet, ein früherer ESC-Teilnehmer und jetziger Kabarettist verunglimpfte den Song als „verschwulte Zumpferl-Romantik“ und der FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache polemisierte gegen die Entsendung Wursts durch den ORF.

In Weißrussland rief eine „Legion Alexander Lukaschenko“ zum Boykott des Song Contests und einem Ausstrahlungsverbot auf, weil der „populäre internationale Wettbewerb […] mithilfe der europäischen Liberalen zu einem Brutherd der Unzucht verkommen“ sei. In Russland forderte der Politiker Witali Milonow, Initiator des in Sankt Petersburg verabschiedeten Gesetzes gegen „Propaganda von Homosexualität und Pädophilie“, das zum Vorbild für die landesweite Gesetzgebung wurde, einen Boykott. Zusätzlich bedauerte der „rechtsradikale Wladimir Schirinowski […], dass sich die russische Armee nach dem Sieg über Hitler aus Österreich wieder zurückgezogen habe.“ Darüber hinaus erhielt die Künstlerin Todesdrohungen.

Conchita Wurst reagierte auf die Angriffe mit einer auf Facebook verbreiteten Nachricht, in der es hieß:

„Wie würde es euch gehen, wenn eure Freunde, Verwandten, Kinder, Kollegen usw. auf diese Weise beschimpft werden? Ich bin mir sicher, dass es in eurer näheren Umgebung ebenfalls Menschen gibt, die ‚anders‘ sind. In diesem Sinne kämpfe ich weiterhin GEGEN Diskriminierung und FÜR Toleranz. Denn ich bin davon überzeugt, dass im 21. Jahrhundert wirklich JEDER Mensch das Recht hat, so zu leben, wie er möchte, solange niemand anderer in seiner Freiheit eingeschränkt oder verletzt wird. Und soweit ich weiß, habe ich niemandem weh getan.“

Am 8. Mai 2014 qualifizierte sich Conchita Wurst in Kopenhagen für das Finale des Wettbewerbs, das sie in der Nacht zum 11. Mai 2014 gewann. Die Entscheidung wurde von etwa 180 Millionen Zusehern mitverfolgt. Es war das viertbeste Ergebnis in der Geschichte des ESCs und – nach dem Sieg von Udo Jürgens im Jahr 1966 – der zweite Sieg Österreichs beim ESC.

Auf die Frage der Moderatorin bei der Preisverleihung: „Hast Du überhaupt noch Worte, nach all dem?“ antwortete Conchita Wurst: „Ja, sehr wohl. Dieser Abend ist allen gewidmet, die an eine Zukunft in Frieden und Freiheit glauben. Du weißt, wer wir sind: Wir sind eine Gemeinschaft und wir sind nicht aufzuhalten.“ Dies war eine klare Antwort auf Putins expansionistische Politik – betreffend die Krim und die östlichen Teile der Ukraine – einerseits, die vom ihm beförderte Homophobie in Russland andererseits.

Reaktionen

Begeistert begrüßt wurde Conchita Wurst am 11. Mai 2014 anlässlich ihrer Rückkehr aus Kopenhagen am Flughafen Wien-Schwechat von Hunderten von Fans. Mehrere Medien titulierten die Künstlerin als Queen of Austria. ÖVP-Obmann Michael Spindelegger kündigte einen radikalen Kurswechsel seiner Partei betreffend die Gleichstellung von Homosexuellen an: „Ich habe hier keine Grenzen zu setzen.“ Auch Kardinal Christoph Schönborn fand schöne Worte.

Am 18. Mai 2014 lud Bundeskanzler Werner Faymann zu einem Empfang zu Ehren von Conchita Wurst ins Bundeskanzleramt und sprach: „Es ist uns eine ganz große Ehre“. Er lobte „eine Botschaft, die heißt: Toleranz, eine Botschaft, die heißt: Liebe, Lebensfreude. […] Danke auch für dieses Image, diese Ausstrahlung, diese Worte.“ Anschließend sang die Künstlerin vor rund 10.000 Zuhörern auf dem Ballhausplatz und wurde begeistert akklamiert. Einen Auftritt auf dem Balkon des Bundeskanzleramtes – wie Karl Schranz im Jahr 1972 – lehnte Conchita Wurst in aller Bescheidenheit ab: „Das ist wichtigeren Menschen vorbehalten. Ich sehe mich unten auf der Bühne, bei den Fans.“

Rang

Der Katapultstart Conchita Wursts – von völlig unbekannt zu schlagartigem Ruhm – wurde und wird in den internationalen Medien mit dem plötzlichen Auftauchen von Paul Potts (Paul Potts Alben auf Amazon),

Paul Potts

Paul Potts

von Susan Boyle (Susan Boyle Alben auf Amazon) mit ihrem vergleichbaren Lied I Dreamed a Dream,

Susan Boyle

Susan Boyle

von Leona Lewis oder der italienischen Senkrechtstarterin Schwester Cristina Scuccia (auf Amazon) verglichen. Vergleichbar ist in allen Fällen, dass es sich um ausgegrenzte Menschen oder Mitglieder von Minoritäten handelte, die kraft ihrer gesanglichen Leistung alle Diskriminierungen schlagartig überwinden konnten und massiven Zuspruch breiter Bevölkerungsschichten errangen.

Mitten im Leben

Mitten im Leben

Österreichs bislang einziger Eurovision-Song-Contest-Gewinner Udo Jürgens (Udo Jürgens Musikauswahl auf Amazon), 1966 mit Merci, Chérie erfolgreich, lobte das Lied als „ein[en] gut komponierte[n] Song mit einem schönen musikalischen Bogen“.

Closer to the Truth

Closer to the Truth

Cher (Cher Musikauswahl auf Amazon) gratulierte ebenso wie Julio Iglesias (Julio Iglesias Musikauswahl auf Amazon),

La Carretera

La Carretera

Sir Elton John und sein Partner David James Furnish schickten ihr Blumen und eine Karte „We love you“ in die Garderobe, als Conchita Wurst in Graham Nortons BBC-Show am 15. Mai 2014 auftrat und sprach: „Du hast nur dieses eine Leben, und Du machst es besser fabulous.“

Unbreakable

Unbreakable

Diskografie / Singles

Unbreakable (2011) auf Amazon kaufen
That’s What I Am (2012)
Rise Like a Phoenix (2014)

Weitere Veröffentlichungen

Starmania-the Very Best

Starmania-the Very Best

Everything (als Thomas Neuwirth – auf dem Sampler Starmania The Very Best) (2006) bei Amazon kaufen
All By Myself (als Thomas Neuwirth, auf dem Sampler Starmania The Best) (2006)
I’ll Be There (als Conchita Wurst – auf dem Sampler Die Große Chance) (2011) bei Amazon kaufen

I'll Be There

I’ll Be There

Weblinks

Commons: Conchita Wurst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Internetauftritt von Conchita Wurst
ORF: Stars: Conchita Wurst
Conchita Wurst auf Facebook
Conchita Wurst auf Twitter

Conchita Wurst Schlagzeilen

Wer moderiert wo den nächsten Song Contest? Conchita Wurst contra Weichselbraun und Knoll: http://www.nachrichten.at

Dragqueen Conchita Wurst gab in ihrer Heimat Österreich ihr erstes Konzert nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen: http://www.sueddeutsche.de

Ein Treffen mit dem Bundeskanzler, ein Konzert in Wien: ESC-Gewinnerin Conchita Wurst wird in ihrer Heimat gefeiert. http://www.welt.de

Nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest ist Conchita Wurst zum ersten Mal in Wien aufgetreten. Zwar sang sie ihren Siegersong gleich mehrfach, doch in Österreich geht es längst um mehr als Musik. http://www.stern.de

Wenn Tausende zum Phoenix werden. Tausende Fans bejubelten den Auftritt von Conchita Wurst am Ballhausplatz. kurier.at

Conchita Wurst: Charterfolg im UK. Conchita belegt derzeit in den Single Charts von Großbritannien den 17. Platz. http://www.oe24.at

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Rise Like A Phoenix von Conchita Wurst

Rise Like A Phoenix von Conchita Wurst

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